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fti…remixed Speeddating mit Forscher:innen und Entwickler:innen im Rahmen der European Researchers’ Night 2022.

Am Freitag, den 30.09.2022, fand eine fti…remixed Dialogveranstaltung in Form eines Speeddatings im Rahmen der European Reseachers’ Night 2022 in der Universität für angewandte Kunst in 1030 Wien statt.

Schüler:innen und Forscher:innen beim Speeddating im Rahmen der European Researchers‘ Night 2022, Foto: © PlanSinn

Die European Researchers’ Night findet jährlich zur gleichen Zeit in vielen europäischen Städten statt. Hauptziel der Veranstaltung ist es, jeder Bürgerin und jedem Bürger die Möglichkeit zu geben aktiv an Wissenschaft teilzunehmen. Vor allem Kinder und Jugendliche sollen im Rahmen der Veranstaltung ermutigt werden, Wissenschaft, Forschung und Innovation zu erleben und zu begreifen. Die verschiedenen Stationen und Workshops bieten eine hervorragende Gelegenheit hinter die Kulissen von Forschungsabteilungen und deren Forschungsorganisationen zu blicken und mit herausragenden Forscher:innen in Kontakt zu treten. 2022 fanden in Wien, Salzburg, Innsbruck, Salzburg und Graz eine Vielzahl von Veranstaltungen statt, die in Präsenz aber auch online stattgefunden haben. Die Veranstaltung findet europaweit einmal jährlich am letzten Freitag im September statt.

Ziel der Dialogveranstaltung ist es Jugendliche mit Forscher:innen bzw.Entwickler:innen zusammenzubringen und den Jugendlichen die Berufsbiografien, als auch deren Forschungsinhalte näher zu bringen. An der Veranstaltung nahmen zwei Schulklassen aus Wien und sechs Forscher:innen/Entwickler:innen teil. Die Jugendlichen wechselten von Tisch zu Tisch und hatten die Möglichkeit Fragen an die Forscher:innen zu stellen.

Projektleitung: Christa Bernert, Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK)

Konzept und Moderation: Viktoria Matejka, Carina Krausler, Anne Sulzberger und Andrea Dobersberger, PlanSinn Planung & Kommunikation GmbH

Folgende Expert:innen haben beim Speeddating mitgemacht:

  • Magdalena Holzer arbeitet bei Weatherpark mit Schwerpunkten im Bereich Stadtklima, Mikroklima, meteorologische Simulationen, sowie sozioökonomische Fragen zur Klimawandelanpassung.
  • Tanja Tötzer ist am AIT – Austrian Institute of Technology, im Energie Department tätig. Sie forscht zum Thema nachhaltige Stadt- und Infrastrukturplanung sowie Klimaresilienz.
  • Vera Stiegler arbeitet bei der Holzforschung Austria mit dem Schwerpunkt Bauphysik. Sie forscht an der Simulation des Klimas in Innenräumen im Hinblick auf die Klimaerwärmung und aktuell an aufdruckbaren Lichtschaltern.
  • Silvia Schmidt beschäftigt sich mit IT-Security und forscht und lehrt am FH Campus in Wien. Ihre Hauptthemen sind Sicherheitsrisiken und Schwachstellen im Internet.
  • Marco Nemetz ist an der FH Krems im Department of Science and Technology tätig. Er forscht zum Thema Virtual Reality, Digitalisierung und Informatik.
  • Wilfried Baumann arbeitet bei der OCG – Österreichische Computer Gesellschaft. Er beschäftigt sich mit den Themen Künstliche Intelligenz, Robotik, 3D Druck und Programmierung und ist auch zeitweise in der Lehre tätig.

Magdalena Holzer: Was sind klimawirksame Maßnahmen im Stadtraum?

Magdalena Holzer arbeitet bei Weatherpark. Ihre Schwerpunkte sind meteorologische Simulationen und Klimaforschung. Sie hat Umwelt- und Bioressourcenmanagement an der Universität für Bodenkultur (BOKU) in Wien studiert und ist nach ihrem Abschluss auf den Bereich der Stadtklimatologie gestoßen.

Magdalena zeigt den Schüler:innen ihre Stadtklima-Analysekarte, Foto: © PlanSinn

Durch die Arbeit bei Weatherpark konnte sie sich in diese Thematik einarbeiten und viele wertvolle Erfahrungen in diesem Bereich sammeln. Die Jugendlichen wollten wissen, was Magdalena an ihrem Beruf begeistert. Sie erzählte, dass ihr Arbeitsfeld für sie die perfekte Mischung aus Forschung und vielen angewandten Tätigkeiten ist. „Ich sitze nicht nur am Schreibtisch, sondern mache Messungen, fahre in unterschiedliche Städte, habe Gespräche mit Politiker:innen. Mein Beruf ist sehr vielfältig.“ Außerdem freut sich Magdalena sehr darüber, dass etwas passiert bzw. sich etwas im Stadtraum verändert, wie zum Beispiel die zunehmenden neuen Baumpflanzungen. Was sie zudem sehr schätzt, ist die Zusammenarbeit mit verschiedensten Akteur:innen wie mit der Stadt oder Verkehrs- und Landschaftsplaner:innen. An Magdalenas Tisch wurde auch darüber gesprochen, was es für klimawirksame Maßnahmen im Stadtraum gibt. Magdalena informierte die Jugendlichen darüber, dass zum Teil bereits Regenwasser zur Bewässerung des Stadtgrüns genutzt wird, dass Bäume zur Verbesserung des Mikroklimas sehr wirkungsvoll sind und dass, wo es möglich ist Oberflächen entsiegelt werden. Einen Schüler interessierte, was gegen das Sterben von neu gepflanzten Bäumen aufgrund der Aufheizung des Belages getan werden kann. Dieses Problem ist in der Forschung bekannt und wurde bestätigt­. Maßnahmen zur Vorbeugung sind beispielsweise die Auswahl hitzeresistenter Baumarten und die Anwendung des Schwammstadtprinzips für Bäume. Das Schwammstadtprinzip gibt den neu gepflanzten Bäumen einen erweiterten Wurzelraum und ermöglicht die Speicherung von anfallendem Regenwasser, so Magdalena.

Magdalena hat den Schüler:innen eine Klimaanalysekarte zur Stadt Wien mitgebracht, die Weatherpark im Auftrag der Stadt Wien erarbeitet hat. Aus dieser wird ersichtlich, wo es zu starken Aufheizungen im Sommer kommt. Gleichzeitig veranschaulicht die Karte, wo es durch kalte Luftströme in warmen Sommernächten zur Abkühlung in Wien kommt. Die Karte stellt eine wertvolle Grundlage für Planungsprozesse dar, sagt Magdalena

Magdalena diskutiert mit den Jugendlichen über die Klimaanalysekarte. Foto: © PlanSinn

Magdalena möchte den Jugendlichen mitgeben, dass es so viel mehr Möglichkeiten und Berufe gibt als den meisten bekannt sind. Es lohnt sich neugierig und offen zu bleiben und den eigenen Interessen zu folgen.

Tanja Tötzer: Österreich ist Weltmeister im Bodenversiegeln

Tanja Tötzer arbeitet am AIT – Austrian Institute of Technology und ist im Energie Department tätig. Sie forscht zum Thema nachhaltige Stadt- und Infrastrukturplanung und arbeitet zusammen mit Städten und europäischen Forschungspartner:innen.

Tanja Tötzer mit ihrem Forschungsgegenstand, Foto: © PlanSinn

Tanja Tötzer hat Landschaftsplanung und Landschaftsarchitektur an der Universität für Bodenkultur Wien studiert. Seit 1998 arbeitet sie als Forscherin am AIT. Sie ist für die Konzeption, Durchführung und Leitung wissenschaftlicher Projekte im Bereich der nachhaltigen, energieeffizienten und klimaresilienten Entwicklung von Städten und Regionen verantwortlich. Aktuell befasst sie sich mit Werkzeugen zur Bekämpfung der Klimakrise in Städten.

Tanja gibt den Schüler:innen mit, jede Veränderung als Chance zu sehen, Foto: © PlanSinn

Die Schüler:innen wollten wissen, was Tanja den ganzen Tag macht. Tanja arbeitet viel mit Modellen und Simulationen. Sie überprüft in ihrem Arbeitsalltag beispielsweise, ob eine Baumpflanzung oder eine Fassadenbegrünung effektiver ist. Wieviel CO2 durch eine Begrünungsmaßnahme relativiert werden kann oder welche Baumarten in der Stadt noch überlebensfähig sind. Neben diesen Inhalten, werden auch die Kosten für die jeweiligen Annahmen gegenübergestellt. Die Jugendlichen interessierte, was gegen die zu erwartenden Temperaturanstiege auf der Erde unternommen werden kann. Die Forscherin sagte, dass Maßnahmen wie die Reduktion von Parkplätzen, die Entsiegelung von befestigten Flächen und damit die Schaffung von Versickerungsflächen zur Verbesserung beitragen kann. Es muss sich aber auch die Mobilität verändern. Die öffentlichen Verkehrsmittel müssen ausgebaut werden und die Menschen in Österreich müssen ihr Verhalten anpassen. So kann beispielsweise Homeoffice und das Benutzen öffentlicher Verkehrsmittel zum Klimaschutz beitragen. Tanja wies die Schüler:innen darauf hin, dass Österreich Weltmeister im Bodenversiegeln ist. Bodenversiegelung bezeichnet das Bedecken des natürlichen Bodens durch Bauwerke des Menschen. Von Flächenversiegelung wird deshalb gesprochen, weil in den Boden von oben kein Niederschlag mehr eindringen kann und so viele der dort normalerweise ablaufenden Prozesse gestoppt werden. In Österreich versiegeln wir jeden Tag 13 ha Fläche.

„Meine Arbeit ist sehr abwechslungsreich. Es wird nie langweilig in der Arbeit,“ so Tanja Tötzer beim Speeddating. Der Übergang von Arbeit und Freizeit ist sehr fließend bei Tanja, da sie überall im Stadtraum mit ihren Projekten bzw. ihrer Arbeit konfrontiert ist.”

Vera Stiegler: Bei uns arbeiten 30% Frauen

Vera Stiegler arbeitet bei der Holzforschung Austria im Bereich der Bauphysik. Themen mit denen Vera sich schwerpunktmäßig beschäftigt, sind Hygrothermische Raum- und Gebäudesimulationen.

Vera hat ihre Ausbildung an der HTL Mödling im Bereich Bautechnik gemacht. An der Technischen Universität Wien hat die Forscherin anschließend Bauingenieurwesen studiert. Nach dem Studium

hat sie in der Praxis als Bauphysikerin gearbeitet und aktuell forscht sie an der Simulation des Innenklimas von Räumen, wie sich dieses durch die Klimaerwärmung verändert und welche Maßnahmen gesetzt werden können, um dieser Veränderung gegenzusteuern. 

Vera Stiegler mit ihrem Forschungsgegenstand, Foto: © PlanSinn

In der Holzforschung Austria untersucht sie beispielsweise welche Parameter für einen guten Wärme- und Feuchteschutz im Holzbau entscheidend sind, oder wie Gebäude klimafitter werden können. Dazu erforscht Vera was passiert, wenn ein Raum oder ein Gebäude gekühlt oder geheizt wird. Die Speicherung von Wärme bzw. von Kälte ist dabei vom vorhandenen Baustoff abhängig. In Badezimmern kann sie mittels Modellberechnungen herausfinden, wie hoch der Feuchtegehalt im Raum ist. Damit das verbaute Holz, wie zum Beispiel ein Holzboden, im Laufe der Zeit nicht morsch wird, könnten Feuchtemessungen direkt auf dem Holz stattfinden. So könnte die zu hohe Feuchtigkeit beispielsweise auf eine kaputte Leitung zurückgeführt werden und diese rechtzeitig getauscht werden bevor das Holz kaputt wird.

Die Jugendlichen interessieren sich für den aufdruckbaren Holzlichtschalter, Foto: © PlanSinn

In der Holzforschung Austria untersucht sie beispielsweise welche Parameter für einen guten Wärme- und Feuchteschutz im Holzbau entscheidend sind, oder wie Gebäude klimafitter werden können. Dazu erforscht Vera was passiert, wenn ein Raum oder ein Gebäude gekühlt oder geheizt wird. Die Speicherung von Wärme bzw. von Kälte ist dabei vom vorhandenen Baustoff abhängig. In Badezimmern kann sie mittels Modellberechnungen herausfinden, wie hoch der Feuchtegehalt

im Raum ist. Damit das verbaute Holz, wie zum Beispiel ein Holzboden, im Laufe der Zeit nicht morsch wird, könnten Feuchtemessungen direkt auf dem Holz stattfinden. So könnte die zu hohe Feuchtigkeit beispielsweise auf eine kaputte Leitung zurückgeführt werden und diese rechtzeitig

getauscht werden bevor das Holz kaputt wird.

Vera hat den Schüler:innen einen aufdruckbaren Holzlichtschalter mitgebracht. Sie erklärte den Schüler:innen, dass das Material dick genug sein muss, damit es leitet. Die Jugendlichen interessierte, warum sich Vera für diesen Beruf entschieden hat und was sie in der Arbeit macht. Vera hatte sich bereits früh als Kind für Bautechnik interessiert. Auf den Bereich Bauphysik ist sie aber erst zufällig durch ein Ferialpraktikum gestoßen. Ihre Arbeit erledigt sie überwiegend am Computer, wo sie viel berechnen muss. Andere Arbeitskolleg:innen von Vera wiederum, sind viel im Labor und führen Messungen wie beispielsweise Schallmessungen durch.

Zu Vera‘s Studienzeit lag der Frauenanteil im Bauingenieurstudium bei ca. 30%. Es arbeiten durchaus mehr Frauen in diesem Bereich, als viele der Jugendlichen dachten. Vera räumt einige der vielen Vorurteile über Forscher:innen aus und gibt den Jugendlichen ein reales Bild des spannenden Arbeitsfeldes.

Silvia Schmidt: Was ist die größte Schwachstelle im Internet?

Silvia Schmidt ist am FH Campus Wien in Forschung und Lehre tätig. Ihr Schwerpunkt liegt auf IT-Security. Nach ihrem Bachelorstudium in Informationstechnologie und Telekommunikation, hat sie aufgrund ihres großen Interesses an IT-Security das gleichnamige Masterstudium absolviert.

Silvia Schmidt gibt den Jugendlichen einen Einblick in die Welt der IT-Security, Foto © PlanSinn

Silvia Schmidt hat den Schüler:innen eine Drohne und zahlreiche Sticker mit dem Aufdruck „Elvis“ mitgebracht. Silvia Schmidt ist ein sehr großer Elvis Fan, weshalb auch ihr aktuelles Projekt den Namen „Elvis“ trägt. Das Projekt soll Bewusstsein für Sicherheitsrisiken und Schwachstellen im Internet schaffen, aber auch ein Beratungs- und Testangebot für Lehrende und Studierende am FH-Campus sein. Silvia unterrichtet das Fach „Sichere Softwareentwicklung“. Der Austausch mit Studierenden macht ihr sehr viel Spaß und ist sehr abwechslungsreich. Aber auch das Finden von Schwachstellen im PC macht ihr Freude. Ihre Spezialisierung ist Smart TVs, also alle Geräte, die mit dem Internet verbunden sind. Silvia zeigte den Schüler:innen auf ihrem Laptop wie ein Programm zum Finden dieser Schwachstellen aussieht. Die Forscherin informierte die Jugendlichen, dass die meisten Schwachstellen aufgrund fehlerhafter Programmierungen entstehen. So haben zum Beispiel vor ein paar Jahren Hacker die Kontrolle über ein fahrendes Auto auf dem Highway in den USA übernommen, erklärte Silvia. Auch der Absturz der Rakete Ariane ist auf Fehler in der Programmierung zurückzuführen.

„Das Studium ist sehr herausfordernd, weshalb es nur wenig Personal in dem Bereich gibt. Aber es ist ein sehr gefragter Beruf. Nahezu alle Berufe brauchen eine IT-Security“ so Silvia. „Das heißt, dass Sie von Unternehmen engagiert werden?“, wollten die Jugendlichen wissen. Silvia bejahte die Frage und bestätigte, dass die Firmen die Testung von Geräten oder Netzwerken beauftragen. Wichtig dabei ist, dass verantwortungsvoll mit den Daten der Firmen und Hersteller umgegangen wird. „Was glaubt ihr, ist die größte Schwachstelle im Internet?“, so Silvia. Zwar ist den Jugendlichen bewusst, dass Passwörter die größte Schwachstelle sind, aber nicht, was sie dagegen tun können. Silvia empfiehlt an Schulungen teilzunehmen und sich über die Sicherheitsrisiken aufklären zu lassen.

Am Tisch bei Silvia bekamen die Schüler:innen einen tollen Einblick in das umfangreiche Bildungs- und Arbeitsfeld der IT-Security und oben drauf noch hilfreiche Praxistipps für den Umgang im Internet.

Marco Nemetz: Virtuelles Training als Ergänzung zum realen Training?

Marco Nemetz arbeitet als Projektmitarbeiter bei eVRyLab Internationales Management Center (IMC) Fachhochschule (FH) Krems. Er hat zwei Semester Fahrzeugtechnik studiert, sich aber dann für einen Wechsel des Studiums hin zum Bachelor Unternehmensführung und E-Business an der IMC FH Krems entschieden. Aktuell macht er seinen Master im Bereich Marketing. Nebenbei arbeitet er als wissenschaftlicher Mitarbeiter in den Bereichen Virtual Reality und Digitalisierung. Marco ist zufällig in die Forschung gelangt. Sein Professor im Bachelor hat ihn gefragt ob er Interesse an einer Studienassistenz im eVRyLab hat.

Marco Nemetz erzählt von seinen Aufgaben als Forscher, Foto: © PlanSinn

Marco erzählte den Schüler:innen, dass das Testen von Produkten sowie Recherche zu seinen Aufgaben zählen. Zudem ist er viel auf Reisen, da er aktuelle Projekte vor Unternehmen, vor Schulklassen oder bei Konferenzen präsentiert. Das „Unterwegs sein“ macht Marco sehr viel Spaß. Eine Aufgabe, die ihm persönlich weniger Spaß macht, aber auch Teil seines Arbeitsfeldes ist, ist das Verfassen von wissenschaftlichen Arbeiten.

Marco hat den Schüler:innen eine VR-Brille mitgebracht. Aktuell forscht er am Projekt „Omnidreieck“. Ziel des Projektes ist es, unendliches Gehen in der virtuellen Welt zu ermöglichen. Dazu braucht es 16 Laufbänder, die die darauf befindliche Person immer wieder in die Mitte zurückführt und eine VR-Brille. Beim Testen setzt sich Marco also die VR-Brille auf und geht auf den Laufbändern umher. Seine Kolleg:innen und er forschen daran das virtuelle Training zu verbessern. So gibt es beispielsweise bei den Bewegungsabläufen noch Optimierungsbedarf. Ein Thema ist außerdem, dass vielen Menschen beim Tragen einer VR-Brille übel wird und dass die Haptik – also das Fühlen – fehlt. Visually Induced Motion Sickness – kurz: VIMS – nennt sich diese kurzzeitige, durch VR-Spiele verursachte Übelkeit, die von widersprüchlichen Signalen von Augen und Innenohr ausgelöst wird, die das Gehirn nicht so recht zu interpretieren weiß. Motion Sickness wird zur Reise- oder Bewegungskrankheit (Kinetose) gezählt. Der Forscher ist deshalb der Meinung, dass das virtuelle Training das reale Training nie verdrängen wird.

Als Forschungsgegenstand hat Marco eine Virtual Reality (VR) Brille mitgebracht, Foto © Practical Robotics Institute Austria (PRIA)

Eine VR-Brille kann aber bei Bauvorhaben im Planungsprozessen hilfreich sein, so Marco. Durch die VR-Brille können Gegenstände wie zum Beispiel eine Mauer aufgenommen werden und anschließend am PC modelliert werden. VR-Brillen sind am Markt bereits ab 399 Euro erhältlich und können mittlerweile von jedem gekauft werden.

Marco empfiehlt den Jugendlichen „das zu machen, was Spaß macht“ und die eigenen Interessen zu verfolgen.

Wilfried Baumann – Haben wir zukünftig Alle einen 3D-Drucker zuhause?

Wilfried Baumann arbeitet bei der Österreichischen Computer Gesellschaft (OCG). Er beschäftigt sich mit künstlicher Intelligenz, Robotics, 3D Druck und Programmierung.

Wilfried hat zuerst sechs Semester Physik studiert, sich dann aber für ein Informatikstudium an der Technischen Universität Wien (TU Wien) entschieden. Danach war er mehrere Jahre im Naturhistorischen Museum in Wien tätig, wo er Sammlungsdatenbanken erstellte. Neben seiner aktuellen Arbeit bei der OCG, ist er Teil des Teams beim Biber Wettbewerb – ein Wettbewerb, der sich an Schüler:innen richtet, mit dem Ziel Jugendliche mit den Konzepten und Denkweisen der Informatik vertraut zu machen.

Die Schüler:innen bestaunen interessiert seinen Forschungsgegenstand, Foto: © PlanSinn

„Was erforschen Sie genau?“, wollten die Jugendlichen wissen. Wilfried erzählte, dass er sich mit 3D Druckern beschäftigt. Hierzu hat er den Schüler:innen einen Forschungsgegenstand mitgebracht, welcher mittels 3D Drucker gemacht wurde. Wilfried sagte, dass in diesem sogenannten Labyrinthtresor eine Botschaft versteckt ist, die mittels künstlicher Intelligenz geöffnet werden kann. Das Programmieren der 3D Drucker bereitet Wilfried sehr viel Freude, da die Arbeit eine sehr kreative Komponente hat. „Mit 3D-Druckern kann die eigene Idee verwirklicht werden“, so Wilfried. Der Forscher wies die Jugendlichen darauf hin, dass falls sie interessiert sind, es kostenlose Programmiercamps gibt, die für Einsteiger:innen geeignet seien. 

Wilfried Baumann erzählt beim Speeddating über seine Forschung zu 3D Druckern, Foto: © PlanSinn

„Wo sind die Probleme beim 3D-Druck bzw. wie können 3D-Drucker alltagstauglicher gemacht werden,“ fragten die Jugendlichen. Ein Problem ist das Material der 3D Drucker, so Wilfried. Diese bestehen aus Kunststoffen mit teils fragwürdigen Inhaltsstoffen. Bei den Materialen sollten biologisch abbaubare Kunststoffe verwendet werden. Biologisch abbaubare Kunststoffe oder bioabbaubare Kunststoffe bestehen aus Stoffen, die durch Mikroorganismen wie Pilze oder Bakterien, mittels Enzymen unter bestimmten Bedingungen zersetzt werden können. Wilfried erzählte den Schüler:innen zudem, dass immer neue Verfahren erprobt werden, um die Ergebnisse aus dem 3D Druck stabiler zu machen. „3D Drucker werden aber immer alltagstauglicher“, so Wilfried. „Ein 3D Drucker wird in 10-20 Jahren vermutlich in jedem Haushalt sein“.

Wilfried hat sich im Laufe seines Studiums für einen anderen Berufsweg entschieden und dies möchte er auch den Schüler:innen mitgeben. „Ihr könnt eure Entscheidung auch revidieren, wenn sie euch unglücklich macht oder ihr einem anderen Interesse nachgehen wollt“, so Wilfried.

fti…remixed Speeddating im Rahmen von JUGEND INNOVATIV

Am Dienstag, 31. Mai 2022, fand eine fti…remixed Dialogveranstaltung in Form eines Speeddatings im Rahmen von JUGEND INNOVATIV in der Aula der Wissenschaften statt.

Schüler:innen beim fti…remixed Speeddating im Rahmen von Jugend Innovativ © PlanSinn, 2022

Jugend Innovativ ist Österreichs smartester Schulwettbewerb für innovative Ideen und fördert die besten Talente seit 1987. Jugend Innovativ hat sich mittlerweile zur größten bundesweiten Bühne für innovative Ideen etabliert. ​

Schüler:innen aus verschiedenen Schulen aus ganz Österreich, die beim Wettbewerb von Jugend Innovativ teilgenommen haben, nahmen beim Speeddating teil und hatten die Möglichkeit, sechs Forscher:innen kennen zu lernen und sie über ihren Berufsweg und Arbeitsalltag zu befragen.

Projektleitung: Christa Bernert, Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK)

Konzept und Moderation: Andrea Dobersberger und Annemarie Sulzberger, PlanSinn Planung & Kommunikation GmbH

Folgende Expertinnen haben beim Speeddating mitgemacht:

  • Doris Schmidt arbeitet bei der BOKU:BASE und beschäftigt sich mit Eisen-Nanopartikeln, die den Boden und das Wasser säubern können.
  • Piotr Majdak ist bei der Österreichischen Akademie der Wissenschaften ÖAW am Institut für Schallforschung tätig und arbeitet daran, das räumliche Hören besser zu verstehen.
  • Kerstin Kugler arbeitet bei den Wiener Netzen und ist dort Gruppenleiterin für Abfallwirtschaft und Wareneingang. Sie beschäftigt unter anderem auch damit, wie der Strom zu uns nach Hause kommt. 
  • Milena Nowak beschäftigt sich mit Virtual Reality und forscht am VRVis – Zentrum für Virtual Reality und Visualisierung Forschungs-GmbH.
  • Stefan Sgouridis arbeitet bei Allianz Technology im Bereich Softwareentwicklung. Sein Spezialgebiet ist das Testen und Analysieren von Computerspielen.
  • Miriam Hernandez Carreres ist beruflich bei Johnson Controls Integrated Solutions GmbH verankert und entwickelt dort Lösungen im Themenfeld rund um Smart Home.

Doris Schmidt: Selbstheilung für Boden und Wasser

Doris Schmidt arbeitet an der Universitätfür Bodenkultur bei der BOKU:BASE, einem Sprungbrett für viele junge Start Ups. Ziel ist es, Ideen, Technologien und Strategien für nachhaltige Entwicklung in der Gesellschaft zu unterstützen.

Nach ihrem Schulabschluss wollte Doris zuerst Medizin studieren, ist dann aber durch Zufall auf das Studium der Erdwissenschaften gestoßen. In diesem Fach absolvierte sie Bachelor und Master an der Universität Wien und hängte noch ein Doktorat der Umweltwissenschaften dran. Ihre Spezialisierungen sind unter anderem Nanotechnologie, Hydrogeologie, Wasserchemie, Petrologie oder Materialforschung.

Doris Schmidt erklärt den Jugendlichen, wie die Nanopartikel den Boden reinigen. © PlanSinn, 2022

Man kann alles schaffen, selbst wenn man nicht gut in der Schule war“, erzählt Doris aus eigener Erfahrung. Das Studium der Erdwissenschaften hatte Doris eigentlich ausgewählt, weil sie dachte, dass nur drei Fächer zu belegen sind (sie hat das Kleingedruckte nicht gelesen). Es stellte sich heraus, dass aber eigentlich eine Vielzahl an Fächern wie Chemie, Physik, Mineralogie, Biologie, Mathematik usw. Teil des Studiums sind. Doris engagiert sich neben ihrem Berufsleben auch ehrenamtlich beim Samariterbund in der Katastrophenhilfe und hilft Schlüler:innen als Lern-Coach.

Als Forschungsgegenstand hat Doris eine kleine Flasche mit schwarzer Flüssigkeit mitgebracht – Eisen-Nanopartikel, die den Boden und das Wasser reinigen können. „Von welchen Schadstoffe werden Boden oder Wasser gereinigt?“, wollten die Jugendlichen wissen. Von Schwermetallen über Erdöl bis zu Benzin werden können dem Boden viele verschiedenen Schadstoffe entzogen werden. Ziel ist es, den Boden anzuregen, sich selbst wieder zu heilen und sich mit der Zeit zu regenerieren. Dass es beim Forschen auch viel ums Ausprobieren geht, wurde am Tisch bei Doris gut gezeigt.

Damit festgestellt werden kann, welche Nano-Partikel für welche Schadstoffe zur Reinigung geeignet sind, müssen unzählige Tests durchgeführt werden. „Das Ausprobieren und die Versuche machen mir am meisten Spaß“, so Doris.

Eisen-Nanopartikel, die den Boden und das Wasser reinigen können. ©VOGUS / Wolfgang Voglhuber

In ihrem aktuellen Berufsalltag bei der BOKU:BASE ist Doris dafür verantwortlich, jungen Start Up‘s Labore und Makerspaces für deren Arbeit zur Verfügung zu stellen. Die angehenden Forscher:innen sollen ihre Ideen testen und umsetzen können, um vielleicht später auch eigene erfolgreiche Unternehmen zu gründen.

Für Doris bedeutet Forschung, Ideen umsetzen, experimentieren und die Welt verbessern. Was sie allen mitgeben möchte ist, Spaß zu haben und Dinge auszuprobieren.

Piotr Majdak: Wie klingt ein Cocktailparty-Effekt?

Piotr Majdak beantwortet den Jugendlichen ihre Fragen rund um seinen Forschungsalltag, ©VOGUS / Wolfgang Voglhuber

Piotr Majdak arbeitet bei der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) am Institut für Schallforschung.

Schon seit er klein war, hat er sich für Elektrotechnik und Musik interessiert. Da Informatik alleine für Piotr zu trocken gewesen wäre, hat er auch ein Musikinstrument gelernt und das auch später in seiner Ausbildung kombiniert. Nachdem er die HTL Weiz (in der Steiermark) mit dem Schwerpunkt Elektrotechnik abgeschlossen hatte, studierte er an der Technischen Uni Graz sowie an der Kunstuniversität Graz (KUG) Elektrotechnik und Tontechnik in Kombination mit dem Instrument Gitarre. Danach spezialisierte er sich weiter und machte einen PhD am Institut für Elektronische Musik und Akustik, ebenso an der KUG. In seinem Berufsalltag am ÖAW beschäftigt sich
Piotr täglich mit dem räumlichen Hören und wie man es besser verstehen kann.

Die Forschungsgegenstände von Piotr: Brille mit integrierten Kopfhörern, Kopfhörer und Smartphone. © PlanSinn, 2022

Beim Speeddating konnten die Teilnehmenden direkt eine Brille mit integrierten Kopfhörern ausprobieren. Die Hologramme aus Star Wars sind zwar noch nicht Realität, aber durch die Forschung von Piotr soll es möglich werden, z.B. beim Videotelefonieren das Gefühl zu bekommen, dass die Person, mit der wir sprechen, akustisch vor uns steht. Die Forschung rund um das räumliche Hören hilft auch, Hörgeräte weiterzuentwickeln und beispielsweise dem sogenannten „Cocktailparty-Effekt“ entgegenzuwirken. Die Arbeit von Piotr hilft also Menschen mit einem schlechten Gehör, ihre Umgebung akustisch wieder gut wahrzunehmen.

Die Jugendlichen wollten von Piotr wissen, was er eigentlich den ganzen Tag so macht. 90 % seiner Zeit forscht Piotr, er macht akustische Experimente und programmiert bzw. entwickelt Algorithmen für bessere Akustik. Die restlichen 10 % ist Piotr auch an der Universität tätig. Dort betreut er Masterarbeiten, hält Kurse und gibt sein Wissen an junge Studierende weiter.

Ein Highlight für viele Jugendlichen war es zu erfahren, dass etwas Alltägliches wie das Hören ein wichtiger Forschungsbereich ist. Es gibt viele Möglichkeiten, technische Studienrichtungen auch mit etwas Kreativem zu verbinden. Im Fall von Piotr ist es die Kombination von Informatik, Elektrotechnik und Musik.

Bleibt neugierig und macht, was ihr am liebsten und besten könnt!“, so die abschließenden Worte von Piotr.

Kerstin Kugler: Was passiert mit den alten Stromkabeln bei den Wiener Netzen?

Kerstin Kugler ist bei der Wiener Netze GmbH in der Material- und Lagerwirtschaft tätig.

Zu den Wiener Netzen ist sie durch ein Praktikum gekommen, das sie dann auch zu ihrem berufsbegleitendem Studium der Elektronik und Wirtschaft an der FH Technikum Wien inspiriert hat. Sie hat auch einen Master in Arbeits- und Organisationspsychologie und Human Ressources Management und einen Master of Business Administration berufsbegleitend erworben. Bei den Wiener Netzen arbeitet Kerstin im Logistikcontrolling. Sie beschäftigt sich mit der Abwicklung von Jahresbauverträgen, Sortimentsbereinigung, Prüfung von Materialverfügbarkeiten und technischen Attesten.

Kerstin Kugler mit ihrem Forschungsgegenstand – einem Kabelaufriss © PlanSinn, 2022

Wenn Baustellen etwas brauchen oder eine Leitung dringend getauscht werden muss, holen sich die Bauarbeiter:innen die Kabeltrommeln oder auch nur ein Stück Kabel aus dem Lager. Insbesondere in der Zeit von Rohstoffknappheit muss in diesem Bereich gut koordiniert werden. Diese Kabel liegen in ganz Wien in der Erde vergraben. Meistens sind es 20KV (Kilovolt) Mittelspannungskabel. Kerstin erklärt den Jugendlichen, dass diese Kabel aus drei Strängen/Phasen bestehen. Im Kern hat jeder Strang ein Kupferkabel. Dieses stellt den Leiter dar und muss selbstverständlich ordentlich isoliert sein. Daher liegen mehrere Schichten aus Kunststoff zur Isolierung und Abschirmung vor anderen Spannungen rund um den Kupferkern. Das schützt die Leitungen auch vor Witterung, Tieren und Beschädigungen durch Grabungsarbeiten. Aber nicht nur die Beschaffung und den Überblick über die Kabel ist Kerstins Aufgabe. Sie ist auch für die Entsorgung der Altkabel zuständig. Kupfer ist ein wertvoller Rohstoff, daher gibt es Firmen, die diese Altkabel aufkaufen und das Kupfer weiterverarbeiten.

Der Forscherin ist es ein großes Anliegen, Mädchen und junge Frauen für die Forschung zu gewinnen. Kerstin ist auch als FIT (=Forschung, Innovation, Technologie) Botschafterin unterwegs und engagiert sich im Verein „Wimen – Frauen in Energie, Mobilität, Bildung, Öffentlicher Raum, Umwelt und Gender“. Ob bei Schulbesuchen oder im Rahmen des Speeddatings, sie gibt ihre Begeisterung für Technik überzeugt an junge Frauen weiter, so auch an die teilnehmenden Jugendlichen.

Milena Nowak: Projizierte Wirklichkeit mit der HoloLens

Milena Nowak ist bei VRVis – Zentrum für Virtual Reality und Visualisierung Forschungs-GmbH tätig. Dort arbeitet sie in der Multiple Senses Gruppe und beschäftigt sich hauptsächlich mit Virtual Reality bzw. Augmented Reality. Ihre Forschungsgruppe beschäftigt sich mit der Frage, welche Methoden und Technologien notwendig sind, damit man in der Interaktion mit Computern mehr als die klassischen Sinne Hören und Sehen einbeziehen kann.

Milena Nowak erklärt den Jugendlichen was Forschung eigentlich ist. ©VOGUS / Wolfgang Voglhuber

Nach dem Bachelorstudium Medieninformatik machte Milena den Master Visual Computing, beides an der TU Wien. Außerdem machte sie noch einen Master in Informatik an der Universität in Bergen (Norwegen), wo sie auch viel Auslandserfahrungen sammeln konnte.

Milena konnte bereits im Rahmen eines Praktikums Erfahrungen als Entwicklerin bei VRVis sammeln, nun ist sie dort nun als Forscherin tätig. „Es ist nicht notwendig, sofort zu wissen, wie die gesamte Karriere ablaufen wird. Wenn man sich dafür engagiert, was man für wichtig oder interessant hält, ergeben sich mehr Möglichkeiten als man denkt“, so Milena beim Speeddating.

Am Tisch bei Milena wurde auch darüber gesprochen, was Forschung eigentlich ist. Forschung heißt auch, etwas Neues zu entwickeln, mit anderen Leuten zusammen zu arbeiten, ausprobieren, beobachten, Daten auswerten und natürlich auch Studien und wissenschaftliche Texte publizieren. Es wird schnell klar, der Berufsalltag als Forscherin ist sehr vielfältig.

Aktuell arbeitet Milena mit einem Labor zusammen, um es möglich zu machen, mit der HoloLens eine „handsfree“-Dokumentation der täglichen Laborarbeit zu machen. Die HoloLens ist eine Mixed-Reality-Brille, die dem Benutzer erlaubt, mit der Unterstützung durch ein Natural User Interface interaktive 3D-Projektionen in der direkten Umgebung darzustellen.

Was heißt das genau? Forscher:innen im Labor haben oft keine Hände frei, um ihre Arbeit gut zu dokumentieren, da wäre es doch eine super Erleichterung, wenn das einfach ohne Hände funktionieren würde. Milena entwickelt deshalb mit ihrem Team einen Prototyp von einem HoloLens-Headset, welches genau dazu verwendet werden kann. Das Headset kann z.B. filmen, fotografieren, diktieren, Gesten erkennen und noch vieles mehr. Die Jugendlichen wollten wissen, wie sie sich so eine HoloLens-Dokumentation vorstellen können: „Schwirren da Zahlen vor dem Auge herum, wie bei einem Hologramm?“ Milena erklärte, dass durch die Brille verschiedene Dinge projiziert werden können. Derzeit wird noch erforscht, für welche Interaktionen die HoloLens sinnvoll eingesetzt werden kann, was gut oder schlecht funktioniert und was noch weiterentwickelt werden muss. Milena dachte selbst nie daran, Forscherin zu werden, aber es stellte sich heraus, dass Forschung sehr breit und vielfältig ist und richtig Spaß macht!

Stefan Sgouridis: Zählt Computerspiele testen auch zur Forschung?

Stefan Sgouridis hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Bereits als Jugendlicher spielte er viele Computerspiele und fand dadurch zu seiner Begeisterung für Animation und 3D-Design. Der Einstieg in die Programmierwelt startete an der Technischen Universität Graz, wo er auch seinen Bachelor in Computer Science abschloss. Seit Anfang des Jahres arbeitet er bei Allianz Technology im Bereich Softwareentwicklung.

Stefan Sgouridis beantwortet den Jugendlichen ihre Fragen rund um seinen Forschungsalltag und gibt Tipps zum Studienstart, ©VOGUS / Wolfgang Voglhuber

Bei ihm drehte sich noch bis zu Beginn des Jahres 2022 alles um Gaming. Bereits neben dem Studium forschte er in einem Unternehmen, das sich auf Fußballsimulation spezialisiert hat. Während seiner Forschungstätigkeit testete er Computerspiele und analysierte dabei, wie sich Gegner:innen verhalten und der Sound mit dem Bild übereinstimmt. Er berichtete den Jugendlichen aus dem Alltag eines Forschers. So manche Ideenskizze landete im Papierkübel, bevor das Spiel fertig war. „Im Zeitdruck geht dann doch alles schneller“, sagt er. Die Jugendlichen waren auch sehr interessiert am Uni-Alltag und fragten Stefan: „Wie kann man sich den Studienalltag vorstellen und was muss man da können, wenn man an die Uni will?“ Stefan gab ihnen einen spannenden und praxisnahen Einblick, an dem sich die Schüler:innen beim Speeddating ein bisschen Orientierung für ihre Zukunft holen konnten. Die verschiedenen Gruppen, tauschten sich eifrig mit Stefan über die aktuell spannendsten Programmiersprachen und über „das Reinkommen ins Studium“ aus. Auch darüber, dass ein Studium bzw. eine gute Ausbildung vieles im Leben ermöglicht, wie zum Beispiel die Möglichkeit, in unterschiedlichen Ländern auf der Welt arbeiten zu können. Was Stefan den Jugendlichen auf jeden Fall mitgeben möchte ist, dass sie viel Zeit und Energie in ihre Ausbildung investieren sollten.

Miriam Hernandez Carreres: Smart Home – wie intelligent kann ein Haus sein?

Miriam Hernandez Carreres studierte an der Technischen Universität Katalonien (Spanien) und machte dort ihren Abschluss als Diplomingenieurin im Bereich Telekommunikationstechnologie mit den Schwerpunkten Telematik und Service Management

Derzeit arbeitet sie bei Johnson Controls Integrated Solutions GmbH und arbeitet dort zu Green Building. Während ihrer Forschungstätigkeit im Bereich Automatisierung und Energiemanagement entwickelte sie auch Lösungen im Bereich Smart Home.

Als Wissenschaftler sollte man neugierig sein, Dinge genau begutachten und Nachfragen. Miriam Hernandez Carreres mit Ihrem Forschungsgegenstand, einer Messeinheit und verschiedenen Sensoren. © PlanSinn, 2022

Intelligente Systeme werden immer wichtiger, vor allem auch im eigenen Zuhause. Beeindruckend kleine Sensoren und Messeinheiten messen relevante Werte und steuern die richtigen Technologien. Von Windsensoren, die Markisen steuern, über Wärme- und Bewegungssensoren, die in Wohnungen oder Hotelzimmern bei Inaktivität Systeme abschalten bis zur Regelung von Belüftungs- und Klimaanlagen- ist alles dabei, was man sich vorstellen kann. Nach ihrem Lieblingsfach in der Schule gefragt, antwortete sie mit Werken und Zeichnen. Neugierig sein, Dinge genau begutachten und Nachfragen sind ihre wichtigsten Impulse. Sie erzählte den Jugendlichen auf die Fragen: „Was macht ein:e Forscher:in im Berufsalltag?“ und „Wie arbeitet man im Team zusammen?“ ausführlich über ihren Forschungsalltag. Beispielsweise, dass man sich als Wissenschaftler:in Experimente ausdenkt, sie gemeinsam im Team oder alleine durchführt und sich überlegt, was das Ergebnis für die weitere Arbeit bedeutet.

Die jungen Menschen konnten sich ein gutes Bild davon machen und wissen nun aus erster Hand, dass alle, die es wollen, auch Forscher:innen werden können.