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fti…remixed Speeddating mit Forscher:innen und Entwickler:innen im Rahmen der European Researchers’ Night 2022.

Am Freitag, den 30.09.2022, fand eine fti…remixed Dialogveranstaltung in Form eines Speeddatings im Rahmen der European Reseachers’ Night 2022 in der Universität für angewandte Kunst in 1030 Wien statt.

Schüler:innen und Forscher:innen beim Speeddating im Rahmen der European Researchers‘ Night 2022, Foto: © PlanSinn

Die European Researchers’ Night findet jährlich zur gleichen Zeit in vielen europäischen Städten statt. Hauptziel der Veranstaltung ist es, jeder Bürgerin und jedem Bürger die Möglichkeit zu geben aktiv an Wissenschaft teilzunehmen. Vor allem Kinder und Jugendliche sollen im Rahmen der Veranstaltung ermutigt werden, Wissenschaft, Forschung und Innovation zu erleben und zu begreifen. Die verschiedenen Stationen und Workshops bieten eine hervorragende Gelegenheit hinter die Kulissen von Forschungsabteilungen und deren Forschungsorganisationen zu blicken und mit herausragenden Forscher:innen in Kontakt zu treten. 2022 fanden in Wien, Salzburg, Innsbruck, Salzburg und Graz eine Vielzahl von Veranstaltungen statt, die in Präsenz aber auch online stattgefunden haben. Die Veranstaltung findet europaweit einmal jährlich am letzten Freitag im September statt.

Ziel der Dialogveranstaltung ist es Jugendliche mit Forscher:innen bzw.Entwickler:innen zusammenzubringen und den Jugendlichen die Berufsbiografien, als auch deren Forschungsinhalte näher zu bringen. An der Veranstaltung nahmen zwei Schulklassen aus Wien und sechs Forscher:innen/Entwickler:innen teil. Die Jugendlichen wechselten von Tisch zu Tisch und hatten die Möglichkeit Fragen an die Forscher:innen zu stellen.

Projektleitung: Christa Bernert, Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK)

Konzept und Moderation: Viktoria Matejka, Carina Krausler, Anne Sulzberger und Andrea Dobersberger, PlanSinn Planung & Kommunikation GmbH

Folgende Expert:innen haben beim Speeddating mitgemacht:

  • Magdalena Holzer arbeitet bei Weatherpark mit Schwerpunkten im Bereich Stadtklima, Mikroklima, meteorologische Simulationen, sowie sozioökonomische Fragen zur Klimawandelanpassung.
  • Tanja Tötzer ist am AIT – Austrian Institute of Technology, im Energie Department tätig. Sie forscht zum Thema nachhaltige Stadt- und Infrastrukturplanung sowie Klimaresilienz.
  • Vera Stiegler arbeitet bei der Holzforschung Austria mit dem Schwerpunkt Bauphysik. Sie forscht an der Simulation des Klimas in Innenräumen im Hinblick auf die Klimaerwärmung und aktuell an aufdruckbaren Lichtschaltern.
  • Silvia Schmidt beschäftigt sich mit IT-Security und forscht und lehrt am FH Campus in Wien. Ihre Hauptthemen sind Sicherheitsrisiken und Schwachstellen im Internet.
  • Marco Nemetz ist an der FH Krems im Department of Science and Technology tätig. Er forscht zum Thema Virtual Reality, Digitalisierung und Informatik.
  • Wilfried Baumann arbeitet bei der OCG – Österreichische Computer Gesellschaft. Er beschäftigt sich mit den Themen Künstliche Intelligenz, Robotik, 3D Druck und Programmierung und ist auch zeitweise in der Lehre tätig.

Magdalena Holzer: Was sind klimawirksame Maßnahmen im Stadtraum?

Magdalena Holzer arbeitet bei Weatherpark. Ihre Schwerpunkte sind meteorologische Simulationen und Klimaforschung. Sie hat Umwelt- und Bioressourcenmanagement an der Universität für Bodenkultur (BOKU) in Wien studiert und ist nach ihrem Abschluss auf den Bereich der Stadtklimatologie gestoßen.

Magdalena zeigt den Schüler:innen ihre Stadtklima-Analysekarte, Foto: © PlanSinn

Durch die Arbeit bei Weatherpark konnte sie sich in diese Thematik einarbeiten und viele wertvolle Erfahrungen in diesem Bereich sammeln. Die Jugendlichen wollten wissen, was Magdalena an ihrem Beruf begeistert. Sie erzählte, dass ihr Arbeitsfeld für sie die perfekte Mischung aus Forschung und vielen angewandten Tätigkeiten ist. „Ich sitze nicht nur am Schreibtisch, sondern mache Messungen, fahre in unterschiedliche Städte, habe Gespräche mit Politiker:innen. Mein Beruf ist sehr vielfältig.“ Außerdem freut sich Magdalena sehr darüber, dass etwas passiert bzw. sich etwas im Stadtraum verändert, wie zum Beispiel die zunehmenden neuen Baumpflanzungen. Was sie zudem sehr schätzt, ist die Zusammenarbeit mit verschiedensten Akteur:innen wie mit der Stadt oder Verkehrs- und Landschaftsplaner:innen. An Magdalenas Tisch wurde auch darüber gesprochen, was es für klimawirksame Maßnahmen im Stadtraum gibt. Magdalena informierte die Jugendlichen darüber, dass zum Teil bereits Regenwasser zur Bewässerung des Stadtgrüns genutzt wird, dass Bäume zur Verbesserung des Mikroklimas sehr wirkungsvoll sind und dass, wo es möglich ist Oberflächen entsiegelt werden. Einen Schüler interessierte, was gegen das Sterben von neu gepflanzten Bäumen aufgrund der Aufheizung des Belages getan werden kann. Dieses Problem ist in der Forschung bekannt und wurde bestätigt­. Maßnahmen zur Vorbeugung sind beispielsweise die Auswahl hitzeresistenter Baumarten und die Anwendung des Schwammstadtprinzips für Bäume. Das Schwammstadtprinzip gibt den neu gepflanzten Bäumen einen erweiterten Wurzelraum und ermöglicht die Speicherung von anfallendem Regenwasser, so Magdalena.

Magdalena hat den Schüler:innen eine Klimaanalysekarte zur Stadt Wien mitgebracht, die Weatherpark im Auftrag der Stadt Wien erarbeitet hat. Aus dieser wird ersichtlich, wo es zu starken Aufheizungen im Sommer kommt. Gleichzeitig veranschaulicht die Karte, wo es durch kalte Luftströme in warmen Sommernächten zur Abkühlung in Wien kommt. Die Karte stellt eine wertvolle Grundlage für Planungsprozesse dar, sagt Magdalena

Magdalena diskutiert mit den Jugendlichen über die Klimaanalysekarte. Foto: © PlanSinn

Magdalena möchte den Jugendlichen mitgeben, dass es so viel mehr Möglichkeiten und Berufe gibt als den meisten bekannt sind. Es lohnt sich neugierig und offen zu bleiben und den eigenen Interessen zu folgen.

Tanja Tötzer: Österreich ist Weltmeister im Bodenversiegeln

Tanja Tötzer arbeitet am AIT – Austrian Institute of Technology und ist im Energie Department tätig. Sie forscht zum Thema nachhaltige Stadt- und Infrastrukturplanung und arbeitet zusammen mit Städten und europäischen Forschungspartner:innen.

Tanja Tötzer mit ihrem Forschungsgegenstand, Foto: © PlanSinn

Tanja Tötzer hat Landschaftsplanung und Landschaftsarchitektur an der Universität für Bodenkultur Wien studiert. Seit 1998 arbeitet sie als Forscherin am AIT. Sie ist für die Konzeption, Durchführung und Leitung wissenschaftlicher Projekte im Bereich der nachhaltigen, energieeffizienten und klimaresilienten Entwicklung von Städten und Regionen verantwortlich. Aktuell befasst sie sich mit Werkzeugen zur Bekämpfung der Klimakrise in Städten.

Tanja gibt den Schüler:innen mit, jede Veränderung als Chance zu sehen, Foto: © PlanSinn

Die Schüler:innen wollten wissen, was Tanja den ganzen Tag macht. Tanja arbeitet viel mit Modellen und Simulationen. Sie überprüft in ihrem Arbeitsalltag beispielsweise, ob eine Baumpflanzung oder eine Fassadenbegrünung effektiver ist. Wieviel CO2 durch eine Begrünungsmaßnahme relativiert werden kann oder welche Baumarten in der Stadt noch überlebensfähig sind. Neben diesen Inhalten, werden auch die Kosten für die jeweiligen Annahmen gegenübergestellt. Die Jugendlichen interessierte, was gegen die zu erwartenden Temperaturanstiege auf der Erde unternommen werden kann. Die Forscherin sagte, dass Maßnahmen wie die Reduktion von Parkplätzen, die Entsiegelung von befestigten Flächen und damit die Schaffung von Versickerungsflächen zur Verbesserung beitragen kann. Es muss sich aber auch die Mobilität verändern. Die öffentlichen Verkehrsmittel müssen ausgebaut werden und die Menschen in Österreich müssen ihr Verhalten anpassen. So kann beispielsweise Homeoffice und das Benutzen öffentlicher Verkehrsmittel zum Klimaschutz beitragen. Tanja wies die Schüler:innen darauf hin, dass Österreich Weltmeister im Bodenversiegeln ist. Bodenversiegelung bezeichnet das Bedecken des natürlichen Bodens durch Bauwerke des Menschen. Von Flächenversiegelung wird deshalb gesprochen, weil in den Boden von oben kein Niederschlag mehr eindringen kann und so viele der dort normalerweise ablaufenden Prozesse gestoppt werden. In Österreich versiegeln wir jeden Tag 13 ha Fläche.

„Meine Arbeit ist sehr abwechslungsreich. Es wird nie langweilig in der Arbeit,“ so Tanja Tötzer beim Speeddating. Der Übergang von Arbeit und Freizeit ist sehr fließend bei Tanja, da sie überall im Stadtraum mit ihren Projekten bzw. ihrer Arbeit konfrontiert ist.”

Vera Stiegler: Bei uns arbeiten 30% Frauen

Vera Stiegler arbeitet bei der Holzforschung Austria im Bereich der Bauphysik. Themen mit denen Vera sich schwerpunktmäßig beschäftigt, sind Hygrothermische Raum- und Gebäudesimulationen.

Vera hat ihre Ausbildung an der HTL Mödling im Bereich Bautechnik gemacht. An der Technischen Universität Wien hat die Forscherin anschließend Bauingenieurwesen studiert. Nach dem Studium

hat sie in der Praxis als Bauphysikerin gearbeitet und aktuell forscht sie an der Simulation des Innenklimas von Räumen, wie sich dieses durch die Klimaerwärmung verändert und welche Maßnahmen gesetzt werden können, um dieser Veränderung gegenzusteuern. 

Vera Stiegler mit ihrem Forschungsgegenstand, Foto: © PlanSinn

In der Holzforschung Austria untersucht sie beispielsweise welche Parameter für einen guten Wärme- und Feuchteschutz im Holzbau entscheidend sind, oder wie Gebäude klimafitter werden können. Dazu erforscht Vera was passiert, wenn ein Raum oder ein Gebäude gekühlt oder geheizt wird. Die Speicherung von Wärme bzw. von Kälte ist dabei vom vorhandenen Baustoff abhängig. In Badezimmern kann sie mittels Modellberechnungen herausfinden, wie hoch der Feuchtegehalt im Raum ist. Damit das verbaute Holz, wie zum Beispiel ein Holzboden, im Laufe der Zeit nicht morsch wird, könnten Feuchtemessungen direkt auf dem Holz stattfinden. So könnte die zu hohe Feuchtigkeit beispielsweise auf eine kaputte Leitung zurückgeführt werden und diese rechtzeitig getauscht werden bevor das Holz kaputt wird.

Die Jugendlichen interessieren sich für den aufdruckbaren Holzlichtschalter, Foto: © PlanSinn

In der Holzforschung Austria untersucht sie beispielsweise welche Parameter für einen guten Wärme- und Feuchteschutz im Holzbau entscheidend sind, oder wie Gebäude klimafitter werden können. Dazu erforscht Vera was passiert, wenn ein Raum oder ein Gebäude gekühlt oder geheizt wird. Die Speicherung von Wärme bzw. von Kälte ist dabei vom vorhandenen Baustoff abhängig. In Badezimmern kann sie mittels Modellberechnungen herausfinden, wie hoch der Feuchtegehalt

im Raum ist. Damit das verbaute Holz, wie zum Beispiel ein Holzboden, im Laufe der Zeit nicht morsch wird, könnten Feuchtemessungen direkt auf dem Holz stattfinden. So könnte die zu hohe Feuchtigkeit beispielsweise auf eine kaputte Leitung zurückgeführt werden und diese rechtzeitig

getauscht werden bevor das Holz kaputt wird.

Vera hat den Schüler:innen einen aufdruckbaren Holzlichtschalter mitgebracht. Sie erklärte den Schüler:innen, dass das Material dick genug sein muss, damit es leitet. Die Jugendlichen interessierte, warum sich Vera für diesen Beruf entschieden hat und was sie in der Arbeit macht. Vera hatte sich bereits früh als Kind für Bautechnik interessiert. Auf den Bereich Bauphysik ist sie aber erst zufällig durch ein Ferialpraktikum gestoßen. Ihre Arbeit erledigt sie überwiegend am Computer, wo sie viel berechnen muss. Andere Arbeitskolleg:innen von Vera wiederum, sind viel im Labor und führen Messungen wie beispielsweise Schallmessungen durch.

Zu Vera‘s Studienzeit lag der Frauenanteil im Bauingenieurstudium bei ca. 30%. Es arbeiten durchaus mehr Frauen in diesem Bereich, als viele der Jugendlichen dachten. Vera räumt einige der vielen Vorurteile über Forscher:innen aus und gibt den Jugendlichen ein reales Bild des spannenden Arbeitsfeldes.

Silvia Schmidt: Was ist die größte Schwachstelle im Internet?

Silvia Schmidt ist am FH Campus Wien in Forschung und Lehre tätig. Ihr Schwerpunkt liegt auf IT-Security. Nach ihrem Bachelorstudium in Informationstechnologie und Telekommunikation, hat sie aufgrund ihres großen Interesses an IT-Security das gleichnamige Masterstudium absolviert.

Silvia Schmidt gibt den Jugendlichen einen Einblick in die Welt der IT-Security, Foto © PlanSinn

Silvia Schmidt hat den Schüler:innen eine Drohne und zahlreiche Sticker mit dem Aufdruck „Elvis“ mitgebracht. Silvia Schmidt ist ein sehr großer Elvis Fan, weshalb auch ihr aktuelles Projekt den Namen „Elvis“ trägt. Das Projekt soll Bewusstsein für Sicherheitsrisiken und Schwachstellen im Internet schaffen, aber auch ein Beratungs- und Testangebot für Lehrende und Studierende am FH-Campus sein. Silvia unterrichtet das Fach „Sichere Softwareentwicklung“. Der Austausch mit Studierenden macht ihr sehr viel Spaß und ist sehr abwechslungsreich. Aber auch das Finden von Schwachstellen im PC macht ihr Freude. Ihre Spezialisierung ist Smart TVs, also alle Geräte, die mit dem Internet verbunden sind. Silvia zeigte den Schüler:innen auf ihrem Laptop wie ein Programm zum Finden dieser Schwachstellen aussieht. Die Forscherin informierte die Jugendlichen, dass die meisten Schwachstellen aufgrund fehlerhafter Programmierungen entstehen. So haben zum Beispiel vor ein paar Jahren Hacker die Kontrolle über ein fahrendes Auto auf dem Highway in den USA übernommen, erklärte Silvia. Auch der Absturz der Rakete Ariane ist auf Fehler in der Programmierung zurückzuführen.

„Das Studium ist sehr herausfordernd, weshalb es nur wenig Personal in dem Bereich gibt. Aber es ist ein sehr gefragter Beruf. Nahezu alle Berufe brauchen eine IT-Security“ so Silvia. „Das heißt, dass Sie von Unternehmen engagiert werden?“, wollten die Jugendlichen wissen. Silvia bejahte die Frage und bestätigte, dass die Firmen die Testung von Geräten oder Netzwerken beauftragen. Wichtig dabei ist, dass verantwortungsvoll mit den Daten der Firmen und Hersteller umgegangen wird. „Was glaubt ihr, ist die größte Schwachstelle im Internet?“, so Silvia. Zwar ist den Jugendlichen bewusst, dass Passwörter die größte Schwachstelle sind, aber nicht, was sie dagegen tun können. Silvia empfiehlt an Schulungen teilzunehmen und sich über die Sicherheitsrisiken aufklären zu lassen.

Am Tisch bei Silvia bekamen die Schüler:innen einen tollen Einblick in das umfangreiche Bildungs- und Arbeitsfeld der IT-Security und oben drauf noch hilfreiche Praxistipps für den Umgang im Internet.

Marco Nemetz: Virtuelles Training als Ergänzung zum realen Training?

Marco Nemetz arbeitet als Projektmitarbeiter bei eVRyLab Internationales Management Center (IMC) Fachhochschule (FH) Krems. Er hat zwei Semester Fahrzeugtechnik studiert, sich aber dann für einen Wechsel des Studiums hin zum Bachelor Unternehmensführung und E-Business an der IMC FH Krems entschieden. Aktuell macht er seinen Master im Bereich Marketing. Nebenbei arbeitet er als wissenschaftlicher Mitarbeiter in den Bereichen Virtual Reality und Digitalisierung. Marco ist zufällig in die Forschung gelangt. Sein Professor im Bachelor hat ihn gefragt ob er Interesse an einer Studienassistenz im eVRyLab hat.

Marco Nemetz erzählt von seinen Aufgaben als Forscher, Foto: © PlanSinn

Marco erzählte den Schüler:innen, dass das Testen von Produkten sowie Recherche zu seinen Aufgaben zählen. Zudem ist er viel auf Reisen, da er aktuelle Projekte vor Unternehmen, vor Schulklassen oder bei Konferenzen präsentiert. Das „Unterwegs sein“ macht Marco sehr viel Spaß. Eine Aufgabe, die ihm persönlich weniger Spaß macht, aber auch Teil seines Arbeitsfeldes ist, ist das Verfassen von wissenschaftlichen Arbeiten.

Marco hat den Schüler:innen eine VR-Brille mitgebracht. Aktuell forscht er am Projekt „Omnidreieck“. Ziel des Projektes ist es, unendliches Gehen in der virtuellen Welt zu ermöglichen. Dazu braucht es 16 Laufbänder, die die darauf befindliche Person immer wieder in die Mitte zurückführt und eine VR-Brille. Beim Testen setzt sich Marco also die VR-Brille auf und geht auf den Laufbändern umher. Seine Kolleg:innen und er forschen daran das virtuelle Training zu verbessern. So gibt es beispielsweise bei den Bewegungsabläufen noch Optimierungsbedarf. Ein Thema ist außerdem, dass vielen Menschen beim Tragen einer VR-Brille übel wird und dass die Haptik – also das Fühlen – fehlt. Visually Induced Motion Sickness – kurz: VIMS – nennt sich diese kurzzeitige, durch VR-Spiele verursachte Übelkeit, die von widersprüchlichen Signalen von Augen und Innenohr ausgelöst wird, die das Gehirn nicht so recht zu interpretieren weiß. Motion Sickness wird zur Reise- oder Bewegungskrankheit (Kinetose) gezählt. Der Forscher ist deshalb der Meinung, dass das virtuelle Training das reale Training nie verdrängen wird.

Als Forschungsgegenstand hat Marco eine Virtual Reality (VR) Brille mitgebracht, Foto © Practical Robotics Institute Austria (PRIA)

Eine VR-Brille kann aber bei Bauvorhaben im Planungsprozessen hilfreich sein, so Marco. Durch die VR-Brille können Gegenstände wie zum Beispiel eine Mauer aufgenommen werden und anschließend am PC modelliert werden. VR-Brillen sind am Markt bereits ab 399 Euro erhältlich und können mittlerweile von jedem gekauft werden.

Marco empfiehlt den Jugendlichen „das zu machen, was Spaß macht“ und die eigenen Interessen zu verfolgen.

Wilfried Baumann – Haben wir zukünftig Alle einen 3D-Drucker zuhause?

Wilfried Baumann arbeitet bei der Österreichischen Computer Gesellschaft (OCG). Er beschäftigt sich mit künstlicher Intelligenz, Robotics, 3D Druck und Programmierung.

Wilfried hat zuerst sechs Semester Physik studiert, sich dann aber für ein Informatikstudium an der Technischen Universität Wien (TU Wien) entschieden. Danach war er mehrere Jahre im Naturhistorischen Museum in Wien tätig, wo er Sammlungsdatenbanken erstellte. Neben seiner aktuellen Arbeit bei der OCG, ist er Teil des Teams beim Biber Wettbewerb – ein Wettbewerb, der sich an Schüler:innen richtet, mit dem Ziel Jugendliche mit den Konzepten und Denkweisen der Informatik vertraut zu machen.

Die Schüler:innen bestaunen interessiert seinen Forschungsgegenstand, Foto: © PlanSinn

„Was erforschen Sie genau?“, wollten die Jugendlichen wissen. Wilfried erzählte, dass er sich mit 3D Druckern beschäftigt. Hierzu hat er den Schüler:innen einen Forschungsgegenstand mitgebracht, welcher mittels 3D Drucker gemacht wurde. Wilfried sagte, dass in diesem sogenannten Labyrinthtresor eine Botschaft versteckt ist, die mittels künstlicher Intelligenz geöffnet werden kann. Das Programmieren der 3D Drucker bereitet Wilfried sehr viel Freude, da die Arbeit eine sehr kreative Komponente hat. „Mit 3D-Druckern kann die eigene Idee verwirklicht werden“, so Wilfried. Der Forscher wies die Jugendlichen darauf hin, dass falls sie interessiert sind, es kostenlose Programmiercamps gibt, die für Einsteiger:innen geeignet seien. 

Wilfried Baumann erzählt beim Speeddating über seine Forschung zu 3D Druckern, Foto: © PlanSinn

„Wo sind die Probleme beim 3D-Druck bzw. wie können 3D-Drucker alltagstauglicher gemacht werden,“ fragten die Jugendlichen. Ein Problem ist das Material der 3D Drucker, so Wilfried. Diese bestehen aus Kunststoffen mit teils fragwürdigen Inhaltsstoffen. Bei den Materialen sollten biologisch abbaubare Kunststoffe verwendet werden. Biologisch abbaubare Kunststoffe oder bioabbaubare Kunststoffe bestehen aus Stoffen, die durch Mikroorganismen wie Pilze oder Bakterien, mittels Enzymen unter bestimmten Bedingungen zersetzt werden können. Wilfried erzählte den Schüler:innen zudem, dass immer neue Verfahren erprobt werden, um die Ergebnisse aus dem 3D Druck stabiler zu machen. „3D Drucker werden aber immer alltagstauglicher“, so Wilfried. „Ein 3D Drucker wird in 10-20 Jahren vermutlich in jedem Haushalt sein“.

Wilfried hat sich im Laufe seines Studiums für einen anderen Berufsweg entschieden und dies möchte er auch den Schüler:innen mitgeben. „Ihr könnt eure Entscheidung auch revidieren, wenn sie euch unglücklich macht oder ihr einem anderen Interesse nachgehen wollt“, so Wilfried.

fti…remixed Speeddating im Rahmen von JUGEND INNOVATIV

Am Dienstag, 31. Mai 2022, fand eine fti…remixed Dialogveranstaltung in Form eines Speeddatings im Rahmen von JUGEND INNOVATIV in der Aula der Wissenschaften statt.

Schüler:innen beim fti…remixed Speeddating im Rahmen von Jugend Innovativ © PlanSinn, 2022

Jugend Innovativ ist Österreichs smartester Schulwettbewerb für innovative Ideen und fördert die besten Talente seit 1987. Jugend Innovativ hat sich mittlerweile zur größten bundesweiten Bühne für innovative Ideen etabliert. ​

Schüler:innen aus verschiedenen Schulen aus ganz Österreich, die beim Wettbewerb von Jugend Innovativ teilgenommen haben, nahmen beim Speeddating teil und hatten die Möglichkeit, sechs Forscher:innen kennen zu lernen und sie über ihren Berufsweg und Arbeitsalltag zu befragen.

Projektleitung: Christa Bernert, Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK)

Konzept und Moderation: Andrea Dobersberger und Annemarie Sulzberger, PlanSinn Planung & Kommunikation GmbH

Folgende Expertinnen haben beim Speeddating mitgemacht:

  • Doris Schmidt arbeitet bei der BOKU:BASE und beschäftigt sich mit Eisen-Nanopartikeln, die den Boden und das Wasser säubern können.
  • Piotr Majdak ist bei der Österreichischen Akademie der Wissenschaften ÖAW am Institut für Schallforschung tätig und arbeitet daran, das räumliche Hören besser zu verstehen.
  • Kerstin Kugler arbeitet bei den Wiener Netzen und ist dort Gruppenleiterin für Abfallwirtschaft und Wareneingang. Sie beschäftigt unter anderem auch damit, wie der Strom zu uns nach Hause kommt. 
  • Milena Nowak beschäftigt sich mit Virtual Reality und forscht am VRVis – Zentrum für Virtual Reality und Visualisierung Forschungs-GmbH.
  • Stefan Sgouridis arbeitet bei Allianz Technology im Bereich Softwareentwicklung. Sein Spezialgebiet ist das Testen und Analysieren von Computerspielen.
  • Miriam Hernandez Carreres ist beruflich bei Johnson Controls Integrated Solutions GmbH verankert und entwickelt dort Lösungen im Themenfeld rund um Smart Home.

Doris Schmidt: Selbstheilung für Boden und Wasser

Doris Schmidt arbeitet an der Universitätfür Bodenkultur bei der BOKU:BASE, einem Sprungbrett für viele junge Start Ups. Ziel ist es, Ideen, Technologien und Strategien für nachhaltige Entwicklung in der Gesellschaft zu unterstützen.

Nach ihrem Schulabschluss wollte Doris zuerst Medizin studieren, ist dann aber durch Zufall auf das Studium der Erdwissenschaften gestoßen. In diesem Fach absolvierte sie Bachelor und Master an der Universität Wien und hängte noch ein Doktorat der Umweltwissenschaften dran. Ihre Spezialisierungen sind unter anderem Nanotechnologie, Hydrogeologie, Wasserchemie, Petrologie oder Materialforschung.

Doris Schmidt erklärt den Jugendlichen, wie die Nanopartikel den Boden reinigen. © PlanSinn, 2022

Man kann alles schaffen, selbst wenn man nicht gut in der Schule war“, erzählt Doris aus eigener Erfahrung. Das Studium der Erdwissenschaften hatte Doris eigentlich ausgewählt, weil sie dachte, dass nur drei Fächer zu belegen sind (sie hat das Kleingedruckte nicht gelesen). Es stellte sich heraus, dass aber eigentlich eine Vielzahl an Fächern wie Chemie, Physik, Mineralogie, Biologie, Mathematik usw. Teil des Studiums sind. Doris engagiert sich neben ihrem Berufsleben auch ehrenamtlich beim Samariterbund in der Katastrophenhilfe und hilft Schlüler:innen als Lern-Coach.

Als Forschungsgegenstand hat Doris eine kleine Flasche mit schwarzer Flüssigkeit mitgebracht – Eisen-Nanopartikel, die den Boden und das Wasser reinigen können. „Von welchen Schadstoffe werden Boden oder Wasser gereinigt?“, wollten die Jugendlichen wissen. Von Schwermetallen über Erdöl bis zu Benzin werden können dem Boden viele verschiedenen Schadstoffe entzogen werden. Ziel ist es, den Boden anzuregen, sich selbst wieder zu heilen und sich mit der Zeit zu regenerieren. Dass es beim Forschen auch viel ums Ausprobieren geht, wurde am Tisch bei Doris gut gezeigt.

Damit festgestellt werden kann, welche Nano-Partikel für welche Schadstoffe zur Reinigung geeignet sind, müssen unzählige Tests durchgeführt werden. „Das Ausprobieren und die Versuche machen mir am meisten Spaß“, so Doris.

Eisen-Nanopartikel, die den Boden und das Wasser reinigen können. ©VOGUS / Wolfgang Voglhuber

In ihrem aktuellen Berufsalltag bei der BOKU:BASE ist Doris dafür verantwortlich, jungen Start Up‘s Labore und Makerspaces für deren Arbeit zur Verfügung zu stellen. Die angehenden Forscher:innen sollen ihre Ideen testen und umsetzen können, um vielleicht später auch eigene erfolgreiche Unternehmen zu gründen.

Für Doris bedeutet Forschung, Ideen umsetzen, experimentieren und die Welt verbessern. Was sie allen mitgeben möchte ist, Spaß zu haben und Dinge auszuprobieren.

Piotr Majdak: Wie klingt ein Cocktailparty-Effekt?

Piotr Majdak beantwortet den Jugendlichen ihre Fragen rund um seinen Forschungsalltag, ©VOGUS / Wolfgang Voglhuber

Piotr Majdak arbeitet bei der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) am Institut für Schallforschung.

Schon seit er klein war, hat er sich für Elektrotechnik und Musik interessiert. Da Informatik alleine für Piotr zu trocken gewesen wäre, hat er auch ein Musikinstrument gelernt und das auch später in seiner Ausbildung kombiniert. Nachdem er die HTL Weiz (in der Steiermark) mit dem Schwerpunkt Elektrotechnik abgeschlossen hatte, studierte er an der Technischen Uni Graz sowie an der Kunstuniversität Graz (KUG) Elektrotechnik und Tontechnik in Kombination mit dem Instrument Gitarre. Danach spezialisierte er sich weiter und machte einen PhD am Institut für Elektronische Musik und Akustik, ebenso an der KUG. In seinem Berufsalltag am ÖAW beschäftigt sich
Piotr täglich mit dem räumlichen Hören und wie man es besser verstehen kann.

Die Forschungsgegenstände von Piotr: Brille mit integrierten Kopfhörern, Kopfhörer und Smartphone. © PlanSinn, 2022

Beim Speeddating konnten die Teilnehmenden direkt eine Brille mit integrierten Kopfhörern ausprobieren. Die Hologramme aus Star Wars sind zwar noch nicht Realität, aber durch die Forschung von Piotr soll es möglich werden, z.B. beim Videotelefonieren das Gefühl zu bekommen, dass die Person, mit der wir sprechen, akustisch vor uns steht. Die Forschung rund um das räumliche Hören hilft auch, Hörgeräte weiterzuentwickeln und beispielsweise dem sogenannten „Cocktailparty-Effekt“ entgegenzuwirken. Die Arbeit von Piotr hilft also Menschen mit einem schlechten Gehör, ihre Umgebung akustisch wieder gut wahrzunehmen.

Die Jugendlichen wollten von Piotr wissen, was er eigentlich den ganzen Tag so macht. 90 % seiner Zeit forscht Piotr, er macht akustische Experimente und programmiert bzw. entwickelt Algorithmen für bessere Akustik. Die restlichen 10 % ist Piotr auch an der Universität tätig. Dort betreut er Masterarbeiten, hält Kurse und gibt sein Wissen an junge Studierende weiter.

Ein Highlight für viele Jugendlichen war es zu erfahren, dass etwas Alltägliches wie das Hören ein wichtiger Forschungsbereich ist. Es gibt viele Möglichkeiten, technische Studienrichtungen auch mit etwas Kreativem zu verbinden. Im Fall von Piotr ist es die Kombination von Informatik, Elektrotechnik und Musik.

Bleibt neugierig und macht, was ihr am liebsten und besten könnt!“, so die abschließenden Worte von Piotr.

Kerstin Kugler: Was passiert mit den alten Stromkabeln bei den Wiener Netzen?

Kerstin Kugler ist bei der Wiener Netze GmbH in der Material- und Lagerwirtschaft tätig.

Zu den Wiener Netzen ist sie durch ein Praktikum gekommen, das sie dann auch zu ihrem berufsbegleitendem Studium der Elektronik und Wirtschaft an der FH Technikum Wien inspiriert hat. Sie hat auch einen Master in Arbeits- und Organisationspsychologie und Human Ressources Management und einen Master of Business Administration berufsbegleitend erworben. Bei den Wiener Netzen arbeitet Kerstin im Logistikcontrolling. Sie beschäftigt sich mit der Abwicklung von Jahresbauverträgen, Sortimentsbereinigung, Prüfung von Materialverfügbarkeiten und technischen Attesten.

Kerstin Kugler mit ihrem Forschungsgegenstand – einem Kabelaufriss © PlanSinn, 2022

Wenn Baustellen etwas brauchen oder eine Leitung dringend getauscht werden muss, holen sich die Bauarbeiter:innen die Kabeltrommeln oder auch nur ein Stück Kabel aus dem Lager. Insbesondere in der Zeit von Rohstoffknappheit muss in diesem Bereich gut koordiniert werden. Diese Kabel liegen in ganz Wien in der Erde vergraben. Meistens sind es 20KV (Kilovolt) Mittelspannungskabel. Kerstin erklärt den Jugendlichen, dass diese Kabel aus drei Strängen/Phasen bestehen. Im Kern hat jeder Strang ein Kupferkabel. Dieses stellt den Leiter dar und muss selbstverständlich ordentlich isoliert sein. Daher liegen mehrere Schichten aus Kunststoff zur Isolierung und Abschirmung vor anderen Spannungen rund um den Kupferkern. Das schützt die Leitungen auch vor Witterung, Tieren und Beschädigungen durch Grabungsarbeiten. Aber nicht nur die Beschaffung und den Überblick über die Kabel ist Kerstins Aufgabe. Sie ist auch für die Entsorgung der Altkabel zuständig. Kupfer ist ein wertvoller Rohstoff, daher gibt es Firmen, die diese Altkabel aufkaufen und das Kupfer weiterverarbeiten.

Der Forscherin ist es ein großes Anliegen, Mädchen und junge Frauen für die Forschung zu gewinnen. Kerstin ist auch als FIT (=Forschung, Innovation, Technologie) Botschafterin unterwegs und engagiert sich im Verein „Wimen – Frauen in Energie, Mobilität, Bildung, Öffentlicher Raum, Umwelt und Gender“. Ob bei Schulbesuchen oder im Rahmen des Speeddatings, sie gibt ihre Begeisterung für Technik überzeugt an junge Frauen weiter, so auch an die teilnehmenden Jugendlichen.

Milena Nowak: Projizierte Wirklichkeit mit der HoloLens

Milena Nowak ist bei VRVis – Zentrum für Virtual Reality und Visualisierung Forschungs-GmbH tätig. Dort arbeitet sie in der Multiple Senses Gruppe und beschäftigt sich hauptsächlich mit Virtual Reality bzw. Augmented Reality. Ihre Forschungsgruppe beschäftigt sich mit der Frage, welche Methoden und Technologien notwendig sind, damit man in der Interaktion mit Computern mehr als die klassischen Sinne Hören und Sehen einbeziehen kann.

Milena Nowak erklärt den Jugendlichen was Forschung eigentlich ist. ©VOGUS / Wolfgang Voglhuber

Nach dem Bachelorstudium Medieninformatik machte Milena den Master Visual Computing, beides an der TU Wien. Außerdem machte sie noch einen Master in Informatik an der Universität in Bergen (Norwegen), wo sie auch viel Auslandserfahrungen sammeln konnte.

Milena konnte bereits im Rahmen eines Praktikums Erfahrungen als Entwicklerin bei VRVis sammeln, nun ist sie dort nun als Forscherin tätig. „Es ist nicht notwendig, sofort zu wissen, wie die gesamte Karriere ablaufen wird. Wenn man sich dafür engagiert, was man für wichtig oder interessant hält, ergeben sich mehr Möglichkeiten als man denkt“, so Milena beim Speeddating.

Am Tisch bei Milena wurde auch darüber gesprochen, was Forschung eigentlich ist. Forschung heißt auch, etwas Neues zu entwickeln, mit anderen Leuten zusammen zu arbeiten, ausprobieren, beobachten, Daten auswerten und natürlich auch Studien und wissenschaftliche Texte publizieren. Es wird schnell klar, der Berufsalltag als Forscherin ist sehr vielfältig.

Aktuell arbeitet Milena mit einem Labor zusammen, um es möglich zu machen, mit der HoloLens eine „handsfree“-Dokumentation der täglichen Laborarbeit zu machen. Die HoloLens ist eine Mixed-Reality-Brille, die dem Benutzer erlaubt, mit der Unterstützung durch ein Natural User Interface interaktive 3D-Projektionen in der direkten Umgebung darzustellen.

Was heißt das genau? Forscher:innen im Labor haben oft keine Hände frei, um ihre Arbeit gut zu dokumentieren, da wäre es doch eine super Erleichterung, wenn das einfach ohne Hände funktionieren würde. Milena entwickelt deshalb mit ihrem Team einen Prototyp von einem HoloLens-Headset, welches genau dazu verwendet werden kann. Das Headset kann z.B. filmen, fotografieren, diktieren, Gesten erkennen und noch vieles mehr. Die Jugendlichen wollten wissen, wie sie sich so eine HoloLens-Dokumentation vorstellen können: „Schwirren da Zahlen vor dem Auge herum, wie bei einem Hologramm?“ Milena erklärte, dass durch die Brille verschiedene Dinge projiziert werden können. Derzeit wird noch erforscht, für welche Interaktionen die HoloLens sinnvoll eingesetzt werden kann, was gut oder schlecht funktioniert und was noch weiterentwickelt werden muss. Milena dachte selbst nie daran, Forscherin zu werden, aber es stellte sich heraus, dass Forschung sehr breit und vielfältig ist und richtig Spaß macht!

Stefan Sgouridis: Zählt Computerspiele testen auch zur Forschung?

Stefan Sgouridis hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Bereits als Jugendlicher spielte er viele Computerspiele und fand dadurch zu seiner Begeisterung für Animation und 3D-Design. Der Einstieg in die Programmierwelt startete an der Technischen Universität Graz, wo er auch seinen Bachelor in Computer Science abschloss. Seit Anfang des Jahres arbeitet er bei Allianz Technology im Bereich Softwareentwicklung.

Stefan Sgouridis beantwortet den Jugendlichen ihre Fragen rund um seinen Forschungsalltag und gibt Tipps zum Studienstart, ©VOGUS / Wolfgang Voglhuber

Bei ihm drehte sich noch bis zu Beginn des Jahres 2022 alles um Gaming. Bereits neben dem Studium forschte er in einem Unternehmen, das sich auf Fußballsimulation spezialisiert hat. Während seiner Forschungstätigkeit testete er Computerspiele und analysierte dabei, wie sich Gegner:innen verhalten und der Sound mit dem Bild übereinstimmt. Er berichtete den Jugendlichen aus dem Alltag eines Forschers. So manche Ideenskizze landete im Papierkübel, bevor das Spiel fertig war. „Im Zeitdruck geht dann doch alles schneller“, sagt er. Die Jugendlichen waren auch sehr interessiert am Uni-Alltag und fragten Stefan: „Wie kann man sich den Studienalltag vorstellen und was muss man da können, wenn man an die Uni will?“ Stefan gab ihnen einen spannenden und praxisnahen Einblick, an dem sich die Schüler:innen beim Speeddating ein bisschen Orientierung für ihre Zukunft holen konnten. Die verschiedenen Gruppen, tauschten sich eifrig mit Stefan über die aktuell spannendsten Programmiersprachen und über „das Reinkommen ins Studium“ aus. Auch darüber, dass ein Studium bzw. eine gute Ausbildung vieles im Leben ermöglicht, wie zum Beispiel die Möglichkeit, in unterschiedlichen Ländern auf der Welt arbeiten zu können. Was Stefan den Jugendlichen auf jeden Fall mitgeben möchte ist, dass sie viel Zeit und Energie in ihre Ausbildung investieren sollten.

Miriam Hernandez Carreres: Smart Home – wie intelligent kann ein Haus sein?

Miriam Hernandez Carreres studierte an der Technischen Universität Katalonien (Spanien) und machte dort ihren Abschluss als Diplomingenieurin im Bereich Telekommunikationstechnologie mit den Schwerpunkten Telematik und Service Management

Derzeit arbeitet sie bei Johnson Controls Integrated Solutions GmbH und arbeitet dort zu Green Building. Während ihrer Forschungstätigkeit im Bereich Automatisierung und Energiemanagement entwickelte sie auch Lösungen im Bereich Smart Home.

Als Wissenschaftler sollte man neugierig sein, Dinge genau begutachten und Nachfragen. Miriam Hernandez Carreres mit Ihrem Forschungsgegenstand, einer Messeinheit und verschiedenen Sensoren. © PlanSinn, 2022

Intelligente Systeme werden immer wichtiger, vor allem auch im eigenen Zuhause. Beeindruckend kleine Sensoren und Messeinheiten messen relevante Werte und steuern die richtigen Technologien. Von Windsensoren, die Markisen steuern, über Wärme- und Bewegungssensoren, die in Wohnungen oder Hotelzimmern bei Inaktivität Systeme abschalten bis zur Regelung von Belüftungs- und Klimaanlagen- ist alles dabei, was man sich vorstellen kann. Nach ihrem Lieblingsfach in der Schule gefragt, antwortete sie mit Werken und Zeichnen. Neugierig sein, Dinge genau begutachten und Nachfragen sind ihre wichtigsten Impulse. Sie erzählte den Jugendlichen auf die Fragen: „Was macht ein:e Forscher:in im Berufsalltag?“ und „Wie arbeitet man im Team zusammen?“ ausführlich über ihren Forschungsalltag. Beispielsweise, dass man sich als Wissenschaftler:in Experimente ausdenkt, sie gemeinsam im Team oder alleine durchführt und sich überlegt, was das Ergebnis für die weitere Arbeit bedeutet.

Die jungen Menschen konnten sich ein gutes Bild davon machen und wissen nun aus erster Hand, dass alle, die es wollen, auch Forscher:innen werden können.

ScienceFlash – fti…remixed Online Dialogveranstaltung der Langen Nacht der Forschung 2020

Am Freitag, 9. Oktober 2020, fand eine fti…remixed Dialogveranstaltung in Form eines digitalen „ScienceFlashs“ bei der Langen Nacht der Forschung 2020 statt. 

Jugendliche bzw. junge Erwachsene im Alter zwischen 14 und 30 Jahren hatten die Möglichkeit, 4 Forscherinnen und Forscher online kennen zu lernen und sie über ihren Berufsweg und Arbeitsalltag zu befragen. Ein Flash dauerte 15-20 Minuten und beinhaltete viele spannende Informationen, Interaktionen, AHA-Momente und humorvolle Antworten.

Projektleitung: Christa Bernert, Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK)

Konzept und Moderation: Andrea Dobersberger, Johannes Brossmann, Hanna Dorfner und Carina Krausler, PlanSinn Planung und Kommunikation GmbH



Folgende Expertinnen und Experten haben beim ScienceFlash mitgemacht:


Naemi Luckner: Informatik ist kreativ!

Die Informatikerin Naemi Luckner erzählte von ihrer Arbeit.

Naemi Luckner hat Informatik an der TU (Technische Universität) Wien studiert. Sie hat in Medieninformatik sowohl ihren Bachelor und Master absolviert, an der TU ein Doktorat der technischen Wissenschaften gemacht, und ist der TU auch heute noch als Senior Lecturer verbunden. Ihr Fachbereich ist dabei die Human Computer Interaction, wo es darum geht zu erforschen, wie Menschen und Computer (damit sind in diesem Fall auch Geräte wie Smartphones, intelligente Uhren, etc. gemeint) zusammenwirken. Inhaltlich fokussierte sie sich dabei auf Themen wie Game Design und E-Learning.

Das Whiteboard in Naemis Büro zeigt wie kreativ ihr Job ist.

Naemi überraschte beim ScienceFlash mit einem Foto, das aus ihrem Büro stammt: darauf waren nicht zahllose Monitore und Rechner in einem dunklen Kämmerchen zu sehen – wie ein sichtlich einseitiges Klischee die Arbeit von Informatiker*innen zeigt – sondern ein Whiteboard mit zahlreichen bunten Post-Its, Notizen, Pfeilen, etc. – ein Bild das eher an eine Kreativ-Agentur erinnert. Und genau so beschreibt die humorvolle Forscherin ihre Arbeit: kreativ! Naemi unterrichtet einerseits Studierende. Andererseits entwickelt sie in ihrer Forschung gemeinsam mit potentiellen Nutzer*innen neue Technologie und Anwendungen. In Workshops wird dabei oft gebastelt, diskutiert und ausprobiert, um neue Ideen zu gewinnen. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Art der Fragen, die gestellt werden: es sind keine einfachen Ja/Nein-Fragen, sondern sogenannte „wicked“ Fragen, was so viel bedeutet wie „verrucht“ oder „abgefahren“. Diese Fragen irritieren und überraschen, und helfen so aus dem Alltagsdenken auszubrechen.

Naemis Einblicke in ihre Arbeit als Informatikerin ließen erahnen, wie vielseitig und breit das Feld der Informatik ist. Natürlich spielt Programmieren dabei meist eine Rolle. Aber es kann eben auch bedeuten, intensiv mit Menschen im Dialog zu sein und kreativ Dinge zu entwickeln. So ist es auch wenig überraschend, dass es eigentlich keine „normalen“ Arbeitstage bei Naemi gibt, oder wie sie anmerkte: Das normalste sei meistens nur der Kaffee in der Früh mit den Kolleg*innen!


Oliver Weiss: Es grünt so grün

Oliver Weiss hat seinen Bachelor und Master in Landschaftsplanung an der Universität für Bodenkultur (BOKU) absolviert. Mittlerweile hat er sich auf den Bereich der Vegetationstechnik spezialisiert und arbeitet im wohl grünsten Büro Österreichs. Von diesem Zimmerpflanzendschungel, den er seinen Arbeitsplatz nennen darf, hat er den Jugendlichen zum Einstieg ein Foto mitgebracht und gleich mächtig Eindruck hinterlassen. Obwohl Oliver beim ScienceFlash im Vergleich zu den anderen Forscher*innen als Exot gesehen werden konnte, fand sein Arbeitsfeld der Gebäudebegrünung großen Anklang.

Der Vegetationstechniker Oliver Weiss.

Das hat mit Sicherheit auch damit zu tun, dass Oliver mit großer Begeisterung von seinem Studium erzählte, das sich vor allem auch durch viel Praxisbezug auszeichnete. Exkursionen waren nicht nur ein Garant für lehrreiche und tolle Erfahrungen, sondern auch für dreckige Fingernägel, spaßte Oliver.

Aktuell arbeitet Oliver an dem Projekt “50 grüne Häuser“, der Internationalen Bauausstellung (IBA Wien) präsentiert wurde. Im Zuge dessen wird nach kostengünstigen und einfachen Lösungen zur Gebäudebegrünung geforscht. Hierbei wird beobachtet, welche wärmetechnischen Unterschiede dadurch entstehen. Oliver hat dazu auch Fotos von Wärmebildkameras im Einsatz mitgebracht. Schließlich wollten auch alle wissen, ob man denn Unterschiede erkennen konnte. Oliver erzählte den Jugendlichen, dass die Messwerte einer begrünten Fassade um ca. 5 Grad kühler ausfielen, als die von normalen Fassaden. Er merkte aber an, dass dies noch gar nicht so viel sei und dass man an sehr heißen Tagen höhere Temperaturunterschiede messen könnte.

Die Jugendlichen waren im wahrsten Sinne des Wortes „geflasht“ und wollten Allerlei von Oliver wissen. Der Jungforscher gab zum Abschluss Tipps für passende Pflanzen im Klassenzimmer (Efeututen eignen sich laut Oliver gut) und klärte auf, dass man die Kosten für eine Fassadenbegrünung nicht alleine tragen muss, sondern auch um finanzielle Unterstützung bei der Stadt Wien ansuchen kann.


Bettina Schlager: Informatik ist virtuell!

Bettina Schlager zeigt beim Science Flash einen Controller für VR.

Bettina Schlager hat ein Bachelorstudium in Medieninformatik und Visual Computing an der TU Wien (Technische Universität) absolviert. Derzeit macht sie dort auch ihren Master in Visual Computing. Beruflich arbeitet sie als Forscherin in der Multiple Senses-Forschungsgruppe am VRVis – Zentrum für Virtual Reality und Visualisierung Forschungs-GmbH.Inhaltlich arbeitet Bettina in den Themenbereichen Virtual und Augmented Reality, kurz VR und AR.

Gleich zu Beginn des ScienceFlashes überraschte eine spannende Info zu Bettinas Bildungsweg: „Ratet mal, welche Schulform Bettina in der Oberstufe besucht hat?“ lautete die einfache Frage, die alle Jugendlichen per Umfrage beantworten sollten. Gymnasium und HTL (Höhere technische Lehranstalt) waren die hoch bewerteten Umfrage-Antworten, aber kaum jemand hätte gedacht, dass Bettina als Informatikerin ihre Oberstufe an einer HAK (Handelsakademie) absolviert hat. Jedenfalls konnte sie damit den interessierten Jugendlichen beweisen: auch ohne technische Vorbildung ist es möglich, im Informatik Studium Fuß zu fassen. Und sich einen Fokus zu wählen: in ihrem Fall eben alles rund um virtuelle Welten!

Highlights in Bettinas Job: Konferenzen besuchen und neue Anwendungen kennenlernen.

Ein Projekt, das Bettina vom Studium hinein in ihre jetzige berufliche Tätigkeit bei VRVis begleitet hat ist ein virtuelles Feuerlöschtraining. Dabei können Leute mit einer VR Brille und Controller üben, ein Feuer in einem Innenraum richtig zu löschen. Den Controller – das ist die Steuerung mithilfe derer der Computer die Position der Hände der Anwender*innen im virtuellen Raum erkennt – zeigte die junge Forscherin auch live her. Das Projekt, das als ihre Bachelorarbeit begann, hat sich so gut entwickelt, dass sie dafür einen Preis erhielt, den eAward 2019.  Der Wirtschaftspreis eAward wird vom Fachverlag Report jährlich gemeinsam mit der Plattform Digitales Österreich für Projekte mit IT-Bezug und größtem Kundennutzen vergeben.

Im Laufe der letzten Jahre hat Bettina auch einige Konferenzen besucht – zunächst sogenannte „student conferences“, die ähnlich funktionieren wie „echte“ Konferenzen, aber eben in erster Linie Studierenden den Raum für Präsentationen bieten. Konferenzen findet die Forscherin immer eine besonders spannende Möglichkeit, weil man dabei auch die Projekte, Anwendungen und Tools anderer Forscher*innen hautnah kennenlernen und ausprobieren kann – was auch eine Inspiration für die eigenen Arbeit darstellt.


Rainhard Findling: Technologischer Forstschritt macht Spaß

Rainhard Findling mit einer Spezialbrille, die Augenbewegungen trackt

Rainhard Findling hat am FH Campus Hagenberg sein Bachelor- und Masterstudium in Mobile Computing absolviert und machte seine Dissertation am Institut für Netzwerke und Sicherheit der Johannes Kepler Universität Linz. Derzeit arbeitet Rainhard für Google. Über Details seiner aktuelle Tätigkeit konnte er uns zwar nichts erzählen, an spannenden Inputs hat es trotzdem nicht gemangelt, denn Rainhard konnte uns von beeindruckenden Forschungsarbeiten und tollen Karriere Highlights berichten.

Zum Auftakt seines ScienceFlashs brachte Rainhard die Jugendlichen gleich ordentlich ins Grübeln und Staunen: er wollte von ihnen wissen, was es mit seinem gezeigten Forschungsgegenstand – eine Brille ohne Gläser (siehe Foto) – auf sich hat?!  Diese Brille hat drei Kameras verbaut, die die Augenbewegungen verfolgen. Damit wird aufgezeichnet, wohin die Augen sich bewegen/blicken, auch bei geschlossenen Lidern! Herausfinden kann man damit, wohin jemand den Blick richtet. Dies bietet beispielsweise die Möglichkeit zu testen, ob User*innen eines Computerprogramms neu eingebaute Buttons sehen und nutzen, und wie das Programm noch userfreundlicher gestaltet werden könnte.

Von seinem Universitätsalltag erzählte Rainhard mit viel Begeisterung und konnte auch die Jugendlichen von der Vielfältigkeit seines Studiums überzeugen. Beispiel gefällig? Rainhard erzählte, dass es ihm etwa viel spannender erschien als Hausaufgabe ein Handyspiel zu programmieren als die üblichen Hausaufgaben zu machen, die er noch aus Schulzeiten in Erinnerung hatte. Im Rahmen von Veranstaltungen wie dem Mobile Monday in Wien konnte er bereits während des Studiums eigene Anwendungen testen, viele Erfahrungen sammeln und wichtige Kontakte knüpfen. Der Spaß kam in Rainhards Studium nie zu kurz und für die gewonnene Erfahrung ist er heute noch dankbar – nicht umsonst spricht er von der besten Zeit seines Lebens. 

Mindestens genauso aufregend gestaltete sich sein Forschungsalltag an der Aalto University in Helsinki, Finnland. Einerseits forschte er in dieser Zeit mit dem Brillen-Prototyp, den sogenannten „Smart-glasses“ die er zu Beginn bereits vorstellte. Mit Studierenden veranstaltete er im Rahmen eines Kurses ein RC-Car-Race, von dem sich die Jugendlichen per Foto überzeugen konnten. Bei diesem Rennen mit selbstfahrenden Autos programmierten die Studierenden die Autos. Eine Botschaft war Rainhard besonders wichtig: „Da ist immer was interessantes los, und interessant bedeutet in diesem Fall für beide Seiten: sowohl für Forscher*innen und Vortragende, als auch für die Studierenden.“

Eindrücke von einem Projekt, mit dem Rainhard einen Preis gewonnen hat.

Rainhard hat im Laufe seines Studiums einige Preise gewonnen, eines seiner persönlichen Highlights war aber die ATOS IT Challenge 2013, bei der er sich mit seinen Kolleg*innen gegen 50-60 andere Universitäten weltweit durchgesetzt und die Trophäe für den 1.Platz mit nach Hause nehmen konnte. Im Rahmen der Challenge wurde eine App bzw. ein System entwickelt, das in einer Stadt clevere Geschwindigkeiten für alle Fahrzeuge berechnet, sodass die Stopp-Zeiten bei Ampeln in der gesamten Stadt auf nahezu 0 sinken – wenn sich die Fahrer*innen der Fahrzeuge daran halten. Das reduziert die Zeit im Verkehr, aber vor allem den Treibstoffverbrauch und die Emissionswerte der Fahrzeuge. Die Teilnahme an diesem Wettbewerb hat Rainhard viel Erfahrung in der Business-Welt und wertvolle Kontakte eingebracht, auch in Form von tollen Reisen. So ging es einige Tage nach Paris ins ATOS Headquarter, sowie nach Sotschi in Russland als ATOS-Gäste für die Winterolympiade 2014. Rainhard hat die Chance genutzt um die Welt kennenzulernen, und so im Rahmen seines Studiums und seiner Forschungstätigkeit über 20 Länder bereist. Die Jugendlichen konnten als Botschaft mitnehmen, dass man auch für seine Leistungen im Studium bereits ordentlich belohnt werden kann.


fti…remixed Speeddating im Rahmen der BeSt³ Salzburg

fti…remixed Dialogveranstaltung mit ForscherInnen und EntwicklerInnen

SchülerInnen beim fti…remixed Speeddating im Rahmen der BeSt³ Salzburg

Am Freitag, den 22. November 2019 fand eine fti…remixed Dialogveranstaltung in Form eines Speeddatings im Rahmen der BeSt³ – Die Messe für Beruf, Studium und Weiterbildung im Messezentrum Salzburg statt. Schülerinnen und Schüler des BORG (Bundesoberstufenrealgymnasium) Oberndorf und der HTL (Höhere Technische Lehranstalt) Salzburg hatten die Möglichkeit, 6 Expertinnen und Experten kennen zu lernen und sie über ihren Berufsweg und Arbeitsalltag zu befragen.

Projektleitung: Christa Bernert, Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (bmvit)

Konzept und Moderation: Andrea Dobersberger und Johannes Brossmann, PlanSinn Planung und Kommunikation GmbH

Michèle Zlöbl: Trainieren mit App? Richtig!

Michèle Zlöbl präsentiert die App zum Trainieren.

Michèle Zlöbl besuchte zunächst eine HTL (Höhere Technische Lehranstalt) für Maschinenbau & Fertigungstechnik. Danach absolvierte sie eine Unteroffiziersausbildung beim Bundesheer und war als Notfallsanitätsunteroffizier auch im Ausland im Einsatz. Ihr Interesse für Medizin führte sie zum Studium Medizintechnik an der FH (Fachhochschule) Oberösterreich. Seit dem Bachelorabschluss arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Salzburg Research Forschungsgesellschaft m.b.H. und absolviert berufsbegleitend den Masterstudiengang “Smart products and solutions” an der FH (Fachhochschule) Kufstein.

In ihrer beruflichen Tätigkeit beschäftigt sich Michèle mit dem Forschungsfeld AAL. Die Abkürzung steht für „Active and Assisted Living“. Hierbei geht es um die Entwicklung von Softwarelösungen, die Menschen ab dem 50. Lebensjahr in ihren Alltag unterstützen sollen. Beim Speeddating zeigte sie eine App vor, die sie mitentwickelt hat: die Software unterstützt Menschen dabei, ihre Sportübungen zu machen. Am TV-Gerät werden die Übungen vorgezeigt, dadurch motiviert die App einerseits. Anderseits gibt die App, wenn eine entsprechende Kamera angeschlossen wird, den NutzerInnen auch Feedback. Eine falsche Ausführung der Übung (z.B. Rücken nicht gerade, Knie an falscher Position), die ungesund wäre, kann so verhindert werden. Die App hilft also, richtig zu trainieren.

Michèle erzählte den Jugendlichen auch, dass das Bachelorstudium an einer Fachhochschule durchaus anstrengend sein kann, weil man sich viele Grundlagen erarbeiten muss. Ihr Tipp: „Durchziehen!“ Im Master fühlt man sich dank dieser Basis dann schon viel besser gerüstet.

Armin Veichtlbauer: Forschen auch außerhalb vom Labor?

Armin Veichtlbauer erklärt, was der mitgebrachte Forschungsgegenstand “Cisco Switch” macht.

Armin Veichtlbauer lehrt an der FH (Fachhochschule) Oberösterreich und an der FH (Fachhochschule) Salzburg. Nach seinem Studium der Angewandten Informatik an der Universität Salzburg war er dort auch als Forscher tätig und sammelte außerdem 10 Jahre Forschungserfahrung bei Salzburg Research.

Im Moment beschäftigt sich Armin vor allem mit Software-Systemen für Smart Grids, das sind intelligente Stromnetze. Um erneuerbare Energien wie Wind und Sonne gut einsetzen zu können, müssen die Stromsysteme verändert und modernisiert werden. Gab es früher wenige Kraftwerke, so gibt es heute viele, dezentrale, kleinere Kraftwerke, die Strom erzeugen. Diese veränderten Bedingungen erfordern auch bei Steuerung und Kontrolle der Stromerzeugung und -nutzung neue Lösungen. Der mitgebrachte Forschungsgegenstand, ein „Cisco Switch“ hilft in der Kombination mit entsprechender Software dabei, so ein Stromnetz effizient zu organisieren.

Die SchülerInnen waren ganz erstaunt, als sie erfuhren, dass Forschung nicht heißt, mit Kittel und Reagenzglas alleine in einem Labor zu sitzen. „Forschung ist auch ganz viel Arbeit im Team oder eine Zusammenarbeit mit anderen Institutionen“, erzählt Armin Veichtlbauer begeistert, „Es kommt selten vor, ganz alleine arbeiten zu müssen“. Da gab es einige AHA-Momente für die Jugendlichen, auch bei der wichtigen Erkenntnis, dass es Forschung in den verschiedensten Sparten gibt und diese noch dazu sehr vielfältig sind!

Angela Harrison: Forschung heißt “Hands on!”

Die Jugendlichen vergleichen das Gewicht der mitgebrachten Würfel.

Angela Harrison arbeitet am AIT (Austrian Institute of Technolgy) in Ranshofen. Dort befindet sich das Leichtmetallkompetenzzentrum, in dem sie als Research Engineer tätig ist. Sie beschäftigt sich vor allem mit Druckguss für die Umsetzung von Maßnahmen hinsichtlich Prozessoptimierung.

Angela studierte Industriellen Umweltschutz mit dem Schwerpunkt auf Verfahrenstechnik an der Montanuniversität Leoben. Ihre Doktorarbeit zum Thema „Technische Risikoanalyse und Risikobewertung“ schrieb sie am Internationalen Kernforschungsinstitut CERN in Genf.

Für Angela heißt Forschung aber auch vor allem „Hands on“. Mit Schutzanzug und Helm werden Versuche gemacht, es ist heiß und die Arbeit kann auch anstrengend sein – das ist angewandte Forschung! Aus ihrem Arbeitsalltag hat Angela vier gleichgroße Würfel aus verschiedenen Materialien mitgebracht, zu denen sie forscht. Die SchülerInnen konnten das unterschiedliche Gewicht zwischen Stahl, Magnesium, Aluminium und Aluminiumschaum direkt austesten – schon verblüffend, wie stark das Gewicht variiert!

„Wie geht das eigentlich mit der Doktorarbeit?“, fragten die SchülerInnen. Angela erzählte, dass sie drei Jahre an ihrer Arbeit geschrieben hat und dass es sehr wichtig ist, dass einen das Thema wirklich interessiert, schließlich beschäftigt man sich sehr lange und intensiv damit!

Jo Krüger: Forschung ist auch kreativ!

Jo Krüger berichtet von seinem Studium “Industrial Design”

Jo Krüger kommt aus Deutschland und hat dort an der Hochschule Emden-Leer in Niedersachsen Maschinenbau und Design studiert. Während des Bachelorstudiums hat er mehrere Praktika absolviert und konnte dort schon viele Eindrücke aus der Praxis sammeln. Im Moment studiert er an der FH Johanneum im Masterstudiengang „Industrial Design“.

Zur Zeit arbeitet er an einem Projekt, wo es um das Design von Autos geht. Als Industrial Designer hat Jo sein Skizzenbuch mitgebracht, in welchem er seine Entwürfe für die Autos zeichnet. Zu Beginn des Studiums konnte Jo auch noch nicht so gut zeichnen. „Da gibt es viele Kurse und wenn man es regelmäßig macht, lernt man das ganz schnell“, schildert Jo den SchülerInnen, die ganz gespannt fragen, wie man denn so gut zeichnen lernt!

Bei seinem Studium „Industrial Design“ geht es aber nicht nur um das Design von Autos. Eine Kollegin von Jo hat einen „Coffee to Go-Becher“ entworfen, der aus Kaffeesatz besteht und Samen enthält. Wenn man den benutzten Kaffeebecher dann wegwirft, verrottet er und es wachsen Blumen aus dem Samen. Jo Krüger hat die SchülerInnen überzeugt – Forschung ist auch kreativ!

Laura Knoth & Caroline Atzl: 3D Modelle und 4D Webkarten für Nachhaltigkeit und Energieeffizienz

Laura Knoth und Caroline Atzl erklären, was ihre Sensoren auf der 4D-Karte anzeigen.

Laura Knoth & Caroline Atzl sind Kolleginnen in der Research Studios Austria Forschungsgesellschaft, ihr Fachbereich heißt Research Studio iSPACE – 4D Environments. Laura machte ihren Bachelor in Geographie und absolvierte ein Masterstudium in Applied Geoinformatics. In diesem Fach schreibt sie auch gerade ihre Doktorarbeit. Caroline studierte Angewandte Geoinformatik an der Universität Salzburg, wo sie auch ihre Masterarbeit im Bereich Geoapplikationsentwicklung und Design geschrieben hat.

Laura forscht aktuell im Bereich der nachhaltigen Modellierung von 2D und 3D Produktions-Innenraumumgebungen sowie von 3D-Modellierung und 3D-Gebäuden. Caroline arbeitet zur Zeit an einer 4D Webkarte zur Visualisierung von Lauras 3D-Gebäuden. Die 4. Dimension ist in ihrem Fall die Zeit. Es geht also darum, zeitliche Veränderungen in einem 3D-Gebäudemodell sichtbar zu machen. Interessant wird dass in Zusammenhang mit Informationen von Sensoren, die z.B. Temperatur, Luftfeuchte oder Stromverbrauch in Innenräumen über einen längeren Zeitraum messen und dann in der Karte sichtbar werden. Ziel ist es, durch die Messungen auf der Karte zu verdeutlichen, wie und wo Räume energieeffizienter und somit auch nachhaltiger gestaltet und genutzt werden können!

Was die beiden Forscherinnen den SchülerInnen auf jeden Fall mitgeben möchten: „Sucht euch einen Beruf, der euch Spaß macht, denn man verbringt sehr viel Zeit in der Arbeit. Stellt viele Fragen, probiert viel aus und entscheidet selbst, was für euch das Richtige ist!“

Andreas Petutschnig: Stress im Straßenverkehr?

Was verursacht eigentlich Stress im Straßenverkehr? Andreas Petutschnig hat’s erklärt.

Andreas Petutschnig hat die Fachoberschule Friedberg in Deutschland besucht. Eine Fachoberschule ist ähnlich zur HTL in Österreich. Danach studierte er Kartographie und Geomedientechnik in München und 2017 schloss er das Masterstudium der Angewandten Geoinformatik an der Universität Salzburg ab. Andreas sammelte Berufserfahrung im Bereich 3D-Realitymaps und er ist im Moment Doktorand am Fachbereich Geoinformatik an der Universität Salzburg.

Im Forschungsprojekt, mit dem sich Andreas beschäftigt, geht es um die Stressmessung im Straßenverkehr. Im Fokus steht, wie FußgängerInnen und RadfahrerInnen den Straßenraum erleben. Gemessen wird einerseits z.B. der Herzschlag oder die Produktion von Schweiß und andererseits der Standort der Testpersonen mit einem GPS-Sender. Durch die Kombination der Messungen kann festgestellt werden, an welchen Bereichen im Straßenverkehr (z.B. Kreuzungen) der meiste Stress entsteht. Diese Informationen werden dann an Stadt- oder VerkehrsplanerInnen weitergegeben, um solche Stellen im Verkehrsnetz zu verbessern.

IMAGINE 19 – Konferenz zu Informations- und Kommunikationstechnologie

fti…remixed Dialogveranstaltung mit ForscherInnen und EntwicklerInnen

SchülerInnen beim fti…remixed Speeddating im Rahmen der IMAGINE 19

Am Dienstag, den 22. Oktober 2019, fand eine fti…remixed Dialogveranstaltung in Form eines Speeddatings im Rahmen der IMAGINE 19 in der Ottakringer Brauerei statt. IMAGINE ist eine Konferenzserie zum Thema Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) der Zukunft. Sie findet jährlich statt und dient als Zukunftsradar, sowie der Sichtbarmachung der österreichischen Spitzenforschung.

SchülerInnen der Hertha Firnberg Schulen für Wirtschaft und Tourismus sowie des BG/BRG Geringergasse Wien 11 hatten die Möglichkeit, sechs ExpertInnen kennen zu lernen und sie über ihren Berufsweg und Arbeitsalltag zu befragen.

Projektleitung: Christa Bernert, Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (bmvit)

Konzept und Moderation: Johannes Brossmann und Andrea Dobersberger, PlanSinn Planung und Kommunikation GmbH


Nadine Schneeberger bringt Abkühlung in die Stadt

Nadine Schneeberger ist am AIT-Austrian Institute of Technology beschäftigt

Nadine Schneeberger ist am AIT – Austrian Institute of Technology im Center for Energy tätig. Nach dem Abschluss an der HAK hat sie zuerst nicht gewusst, was sie machen möchte, wollte aber unbedingt noch was lernen. Sie hat einen Bachelor in Soziologie abgeschlossen und dann noch Raumplanung an der TU (Technische Universtität) Wien studiert. Nachdem sie ein Praktikum beim AIT gemacht hat, konnte sie dort im Bereich Nachhaltige Stadtentwicklung & Energieraumplanung zu arbeiten beginnen. Das war ein guter Berufseinstieg und sie freut sich sehr, dass das so geklappt hat! Nadine beschäftigt sich in ihrer Arbeit viel mit „Urban Heat Islands“, also Hitze-Inseln in der Stadt und damit, mehr Abkühlung in die Stadt zu bringen.
Als Forschungsgegenstand hat sie ein Thermometer mitgebracht. Dieses hat zwar beim Speeddating keine Höchstwerte angezeigt. Aber es macht im Sommer deutlich, wie heiß es in der Stadt aufgrund der Klimaerwärmung werden kann. Was kann man dagegen tun? Nadine beschäftigt sich genau mit diesem Thema und es gibt viele Ansätze, die Hitze in der Stadt zu minimieren. Auch die Schülerinnen und Schüler hatten viele Ideen wie beispielsweise mehr Grünflächen, die Dächer begrünen, mehr Wasser oder weniger Autoverkehr. Nadine arbeitet in einem Forschungsprojekt namens „LiLa4Green“, in dem unter anderem sogenannte „Parklets“ entwickelt wurden. „Ist das ein Parkplatz-Outlet?“ fragten sich die SchülerInnen. Nein, das sind Stadtmöbel, die auf Parkplätzen aufgestellt werden und mehr öffentlich zugänglichen Freiraum bieten. Ganz wichtig ist hier, dass es keinen Konsumzwang gibt und alle Menschen das einfach so nutzen können. Durch Pflanzen und Wasser beim Parklet entsteht bessere Luft, es gibt mehr Grün und die heiße Luft im Sommer wird deutlich abgekühlt. Perfekt also, um einen heißen Sommer in Wien zu überstehen.

 

Matthias Wenzl: Wie beschütze ich eine Drohne vor Hackern?

Matthias Wenzl forscht und arbeitet zum Thema “Embedded Systems”

Matthias Wenzl studierte nach der AHS an der TU (Technische Universtität) Wien und machte dort einen Bachelor und Master der Technischen Informatik. Er konnte bereits Berufserfahrung bei Siemens oder Gleichman Research sammeln und arbeitete auch am FH Technikum Wien als Mitarbeiter im Bereich der Forschung und Lehre. Dort ist Matthias auch jetzt noch beschäftigt und er arbeitet seit 2017 an seiner Dissertation im Bereich der „Embedded Systems Security“ – also an der Sicherheit eingebetteter Systeme.
Embedded Systems sind ganz kleine Systeme mit wenig Rechenleistung, die z.B. in Autos oder anderen Geräten wie einer Drohne eingebaut werden. Damit diese Geräte gesteuert werden können, muss mit den Embedded Systems kommuniziert werden. Dabei werden Daten übermittelt. Diese Daten müssen sicher sein und überhaupt ist die Sicherheit des gesamten Systems wichtig! Um das alles kümmert sich Matthias in seinem Arbeitsalltag. Er baut spezielle Sicherheitsfeatures in die Embedded Systems ein, um so z.b. Hackerangriffe zu vermeiden.

Cristina Picus: Was hat Physik eigentlich mit Sicherheit zu tun?

Cristina Picus scannt Fingerabdrücke mit intelligenten Bildverarbeitungssystemen

Cristina Picus kommt aus Italien und hat dort auch Physik studiert, nämlich an der Universität von Cagliari. Danach ist sie nach Deutschland gegangen und hat dort an der Universität Heidelberg in Theoretischer Physik promoviert. Cristina hat schon in verschiedenen Bereichen gearbeitet, aktuell arbeitet Cristina am AIT – Austrian Institute of Technology im Center for Digital Safety & Security. Dort ist sie zuständig für die Projektentwicklung und das Projektmanagement von Forschungsprojekten zur Entwicklung intelligenter Bildverarbeitungssysteme.
Wenn man nicht so viel damit zu tun hat fragt man sich vielleicht, in welchen Bereichen sowas nützlich sein kann. Eingesetzt werden solche Bildverarbeitungssysteme z.B. im Sicherheitsbereich, beim Grenzschutz oder zum Schutz von kritischen Infrastrukturen.
In einem Projekt wurde ein Programm und auch ein Gerät für den Einsatz am Flughafen entwickelt. Dieses Gerät scannt und verarbeitet Fingerabdrücke per Foto. So ein Projekt zu entwickeln dauert ein bis zwei Jahre. Um den SchülerInnen praktisch zu zeigen wie die Erkennung von Fingerabdrücken mit einer Kamera funktioniert, hatte Cristina ein Smartphone mit einer eigens entwickelten App mitgebracht. Wenn sie mit der Handykamera ein Foto ihrer Finger machte, erarbeitete die App aus dem Foto heraus die Fingerabdrücke.

Andreas Amsüss: Wie sehen Materialien der Zukunft aus?

Andreas Amsüss arbeitet im Bereich der Materialentwicklung bei Infineon Technologies Austria

Andreas Amsüss arbeitet bei Infineon Technologies Austria im Bereich R&D Engineering (Research & Development, also Forschung und Produkt-Entwicklung). Nach seinem Gymnasialabschluss entschied er sich für einen Bachelor der Technischen Chemie und im Anschluss für den Master in Werkstofftechnologie und -analytik, beides an der TU (Technische Universtität) Wien. Sein Doktorat hat er dann ebenfalls in Technischer Chemie an der TU Wien absolviert.
Andreas arbeitet in der Materialentwicklung und der chemisch-physikalischen Analytik. Er hat zwar noch kein Material selber erfunden, aber durchaus eines weiterentwickelt! Es geht dabei darum, Materialien wie Kupfer, Silizium oder Isolationsschichten so weiterzuentwickeln, dass sie z.B. für Extremtemperaturen geeignet sind und trotzdem ihre Eigenschaften entfalten können.
Die Begeisterung für sein Fachgebiet ist nicht zu übersehen und „wer sich für etwas begeistert, wird auch Erfolg haben“, so lautet die Devise von Andreas. Als er sich für sein Studium entschieden hatte, wählte er nicht danach aus, ob dieses Thema in Zukunft relevant sein wird, sondern ob ihn das Studium interessiert. Das wichtigste ist Interesse und Begeisterung für die Sache, alles andere kommt von selbst!

Sabrina Kirrane: Wer hat die meisten Konferenz-Badges?

Sabrina Kirrane ist als Forscherin an der Wirtschaftsuni Wien viel auf Konferenzen unterwegs

Sabrina Kirrane kommt ursprünglich aus Irland und lebt nun seit vier Jahren in Wien. Sie arbeitet als Forscherin an der Wirtschaftsuniversität Wien und ist dort im Department of Informations Systems and Operations tätig.
Ihren Bachelor hat sie in Software Development gemacht und daran einen Master in Computing through Research angehängt. Sie hat viele Projekte mitentwickelt und war schon auf unzähligen Konferenzen. Ihr Forscherinnenalltag beinhaltet viele berufliche Reisen, um sich bei Konferenzen zu vernetzen, Vorträge zu halten, andere Ideen zu hören usw. Zum Speeddating brachte Sabrina ihre Sammlung an Konferenz-Badges (so heißen die Namensschilder und Eintrittskarten bei Konferenzen) mit. Die Jugendlichen durften jeweils ein Konferenz-Badge auswählen, und Sabrina erzählte etwas dazu. Zu jedem einzelnen hatte sie eine spannende Story und konnte berichten, um was es bei der jeweiligen Konferenz gegangen ist und wo sie stattgefunden hat.
In ihren Erzählungen ließ Sabrina auch andere spannende Erfahrungen aus ihrer Arbeit einfließen. Sie vermittelte den Jugendlichen z.B. dass Forschung auch viele Fähigkeiten in anderen Bereichen erfordert: Projektmanagement ist wichtig, Teamleitung wird benötigt, auch Marketing und Öffentlichkeitsarbeit gehören dazu. Und natürlich das Schreiben von Projektanträgen, das zum Alltag vieler ForscherInnen dazu gehört.

Marco Gavagnin: Der “3+1”-ForscherInnen-Alltag!

Marco Gavagnin beschäftigt sich mit Mikro- und Nanotechnologie in der ATS – Austria Technologie & Systemtechnik AG

Marco Gavagnin stammt aus Italien und hat dort an der Universität Padova Chemie studiert. Sein Doktorat hat er dann an der Technischen Universität Wien gemacht. Danach wechselte er nach Leoben, wo er jetzt wohnt und bei ATS – Austria Technologie & Systemtechnik AG arbeitet. Von der Chemie hat es ihn also in das Feld der Mikro- und Nanoelektronik verschlagen, wo er sich jetzt mit technologischen Prognosen beschäftigt.
Sein Arbeitsalltag im Bereich der Forschung besteht im Wesentlichen aus „3+1 Aktivitäten“, wie er sagt. Er macht (1.) Technology Road Mapping, das ist Technologieplanung für die Zukunft, wo er auch international mit China, Korea u.a. zusammenarbeitet. Er beschäftigt sich außerdem mit (2.) Technologischen Prognosen. Hierfür reist er viel und ist auf diversen Konferenzen unterwegs, um sich ein Bild der technologischen Trends zu machen. Der dritte Part seines Forschungsalltags ist (3.) die Projektleitung und das Management, wo er die Forschungsprojekte koordiniert. Das „Plus 1“ in Marco’s Alltag sind die „Daily Routines“, das beinhaltet E-Mails lesen und beantworten, Telefonate führen, Reports schreiben usw. Marco berichtete aber nicht nur über seinen Arbeitsalltag, er hatte selbst auch Fragen an die Jugendlichen. Er wollte etwa wissen, was sie sich unter „Forschung“ vorstellen. Eine Schülerin erklärte darauf: „Es geht darum, eine Idee zu haben und dieses weiter zu verbessern, oder zwei bestehende Ideen neu zu kombinieren, oder auszuprobieren, ob etwas Neues auch funktioniert.“ Diese Auffassung teilte Marco und fügte hinzu, dass die Forschung kein einsames „Vor-Sich-Hinarbeiten“ sei, sondern die Zusammenarbeit mit anderen erfordere.