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fti…remixed ScienceFlash #2: Studium und Forschung quer durch Europa!

Das war unsere digitale Veranstaltung mit spannenden Forscher*innen!

Am Freitag 27. November 2020 fand eine fti…remixed Dialogveranstaltung in Form eines digitalen „ScienceFlash“ im Rahmen der European Researchers‘ Night 2020 statt.

Jugendliche im Alter zwischen 14 und 30 Jahren hatten die Möglichkeit, 3 Forscher*innen online kennen zu lernen. Sie konnte sie über ihren Berufsweg und Arbeitsalltag befragen. Ein Flash mit einer Forscherin / einem Forscher dauerte ca. 20 Minuten und beinhaltete viele spannende Informationen, Interaktionen und AHA-Momente.

Projektleitung: Christa Bernert, Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK)

Konzept und Moderation: Andrea Dobersberger, Johannes Brossmann, Carina Krausler, PlanSinn Planung und Kommunikation GmbH

Die Auswahl der Forscher*innen war diesmal inspiriert von unserem Themenschwerpunkt “Studium und Forschung quer durch Europa”. Wir brachten Menschen und Erfahrungen aus unterschiedlichen europäischen Ländern zusammen.

Folgende Expertinnen und Experten haben beim ScienceFlash mitgemacht:

Theresia Widhalm: Erforscht kleine Insekten mit großer Wirkung

Theresia Widhalm ist Bestäubungsökologin und absolviert derzeit ihr Doktorats-Studium an der Universität Lund in Schweden. Ihr Weg zu diesem Beruf und Forschungsfeld hatte viele spannende Stationen. Das illustriert besonders gut, dass sich der berufliche Weg oft erst im Gehen entwickelt. Nach der Matura machte Theresia zunächst eine Floristik-Lehre und absolvierte dann parallel zwei Bachelorstudien: Ergotherapie (Fachhochschule Wien) und Landschaftsplanung (Universität für Bodenkultur, kurz BOKU, Wien). Während sie Teilzeit als Ergotherapeutin arbeitete begann ihre inhaltliche Vertiefung zu Themen wie Biodiversität, Naturschutz und globalen Veränderungen im Rahmen eines individuellen Masterstudiums (ebenfalls an der BOKU Wien). Das besondere an so einem Master ist, dass man selbst das Konzept, die Studienfächer und auch den Namen des eigenen Masters erarbeitet. Theresia nannte ihr Studium „Master’s degree in Ecosystem Dynamics and Global Change“.

Theresia erforschte den zweibrütigen Würfel-Dickkopffalter (lat. Pyrgus armoricanus)
Forscherin Theresia Widhalm erzählt vom Zweibrütigen Würfeldickkopf-Falter.

Im Rahmen ihrer Masterarbeit kam Theresia das erste Mal nach Schweden. Sie erforschte während ihrem Aufenthalt die Verbreitungsfähigkeit eines Schmetterlings, dem Zweibrütigen Würfel-Dickkopffalter (lat. Pyrgus armoricanus). Aufgrund der Erderwärmung müssen Arten mitunter wandern, d.h. sich zum Beispiel weiter Richtung Norden ausbreiten, um die für sie passenden klimatischen Bedingungen zu finden. Manchen Arten, wie etwa dem erwähnten Falter, gelingt das jedoch nicht von selbst. Deswegen erforschen Ökolog*innen, wie ihnen durch sogenannte „Assistierte Migration“ – das unterstützte Ansiedeln einer Art – geholfen werden kann. Theresia wollte herausfinden, was der Falter braucht, um an einem neuen Standort eine Population aufzubauen. Gezeigt hat sich, dass der Falter für eine Ausbreitung ein gutes Netzwerk passender Habitatsflächen (in diesem Fall Wiesen) benötigt, weil er in seiner Lebenszeit von 3 Wochen nur geringe Strecken zurücklegen kann.

Wie groß der Flugradius des Falters ist, ließ Theresia auch die Teilnehmer*innen während des ScienceFlash raten (siehe Umfrage). Das es nur 300 Meter sind, konnte sich kaum jemand vorstellen, die Meisten tippten das 1000 fache der richtigen Antwort.  Wer gerne mehr zum Falter lernen möchte, kann Theresias spannenden wissenschaftlichen Artikel (auf Englisch) hier lesen.

Im Laufe des ScienceFlash berichtete Theresia, mit viel Humor, von ihrem aktuellen Forschungsprojekt und Arbeitsplatz. Im Sommer seien Kühe ihre Arbeitskolleg*innen, meinte sie scherzend, und erklärte, dass sie in den warmen Monaten sehr viel draußen sei, um auf Weideland ihre Feldforschung zu machen. Theresia beschäftigt sich momentan mit Bestäubern, also zum Beispiel Hummeln und Bienen, die eine zentrale Rolle für die Bestäubung von Pflanzen spielen. Bestäubung ist bei den meisten Pflanzen notwendig, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. So hängt etwa die Vermehrung von Wildpflanzen und der Fruchtertrag bei Kulturpflanzen stark von der Bestäubung durch diverse Insekten ab. Landnutzungsänderungen, Pestizid-Einsatz und Klimawandel wiederum verursachen weltweit einen Rückgang an Insekten, was langfristig sowohl Ökosysteme als auch Nahrungsmittelproduktion gefährden kann.

Theresia erzählte mit viel Begeisterung von ihrer Arbeit, und es war richtig zu spüren, wie groß ihr Interesse an Natur ist und wie sie versucht durch ihre Forschungsarbeit auf die Bedrohung von gewissen Arten und Ökosystemen aufmerksam zu machen, aber auch Lösungen zu deren Schutz zu entwickeln.

Andreas Jeffrey Weiss: Erforscht den Weltraum ohne Raumschiff

Andreas Jeffrey Weiss arbeitet als Weltraumforscher bei der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und macht außerdem seinen PhD an der Universität Graz. Nach dem Gymnasium hat Andreas nicht gleich zu studieren begonnen. Er arbeitete für einige Monate in einer Firma bevor er zum Studieren in die Schweiz ging. Dort machte er an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich den Bachelor und Master in Physik.

Andreas zeigt ein Bild von einem koronalen Massenauswurf der Sonne.
Andreas zeigt ein Bild von einem koronalen Massenauswurf der Sonne.
Andreas zu Besuch bei der NASA – im Hintergrund eine Vakuumkammer zum Testen von Satelliten(-Komponenten).
Andreas zu Besuch bei der NASA – im Hintergrund eine Vakuumkammer zum Testen von Satelliten(-Komponenten).

Gleich zu Beginn konnten die Flash-Teilnehmer*innen raten, was Andreas früher mal werden wollte. Fast alle dachten, er wollte Pilot werden, doch Andreas überraschte uns mit seiner Antwort. Er verriet uns, dass er früher eigentlich mal Myrmekologe (Ameisenforscher) werden wollte. Denn die kleinen Tiere haben ihn immer schon fasziniert. Erst später wuchs das Interesse an Physik und er entschied sich, Weltraumforscher zu werden. Ameisen beobachtet Andreas jetzt nur noch Zuhause, als Haustiere in speziellen Terrarien.

Die wohl spannendste Frage, ob Andreas selbst schon mal im Weltraum war, musste er leider mit Nein beantworten, aber er würde natürlich gerne mal hin. Das wichtigste für Andreas‘ Forschung ist also kein Raumschiff, sondern ein Computer. Er forscht zu sogenannten „Koronalen Massenauswürfen“. Doch was ist das jetzt eigentlich? Es handelt sich dabei um Eruptionen der Sonne, bei der Plasma ausgestoßen wird. Auf der Erde können wir solche Eruptionen z.B. durch die Polarlichter wahrnehmen. In seiner Forschung entwickelt Andreas Computermodelle, mit denen die Ausbreitung dieser Plasmaauswürfe berechnet und visualisiert werden können.

Ein Highlight für Andreas war definitiv ein vierwöchiger Aufenthalt im NASA Goddard Space Flight Center in den U.S.A. vor einem Jahr. Dort konnte er spannende und wichtige Eindrücke für seine Zukunft als Weltraumforscher sammeln.

Isabela Erdelean: Erforscht wie wir uns zukünftig bewegen

Wie den ScienceFlash mit Isabela wollen wir auch den Blogartikel dazu in Englisch anbieten – a little opportunity to practice your english skills!

Isabela Erdelean holds a bachelor degree in “Electronics and Telecommunication in Transports” from the University POLITEHNICA of Bucharest in Romania. For her masters she wanted to go abroad and decided to study “Intelligent Transport Systems” at the University of Applied Sciences Technikum Vienna (FH Technikum Wien). Her first contact with AIT, the Austrian Institute of Technology was through an internship. Following that she worked as a freelance researcher for them and soon after graduation received a position as a research engineer at AIT’s Centre for Mobility Systems. Now she has been with AIT for more than 7 years and has gathered significant experience as a project manager for international research projects.

Isabela shares stories from her Master studies at FH Technikum Wien
Isabela shares stories from her Master studies at FH Technikum Wien
Isabela was involved in the project of developing a self-driving bus for Seestadt Aspern ©PID_Votava
Isabela was involved in the project of developing a self-driving bus for Seestadt Aspern ©PID_Votava

Isabela’s field of research is connected and automated driving. She described how the automated city of tomorrow will make use of a lot of different technologies to change the way mobility is organised. One of the key development areas is connectivity: meaning that vehicles will connect to each other, for example sharing information regarding driving speed, but will also be connected to the infrastructure around them (for example the traffic lights). Another key development area is automatization, referring to automatizing vehicles to drive without constant input of their drivers. Both these developments hold the potential to enhance traffic safety, but of course they also hold risks. Very important for Isabela was to point out, that all these new technologies for vehicles also require a different type of infrastructure.

Isabela honestly acknowledged that the field of mobility research is very male dominated. For example, she was one of only two women in her master’s course. However, she has always seen that as an advantage, because people often remembered her especially because she was one of the only few women in a course or project and hence stuck out. She always tried to make use of the opportunities she got and developed a very successful career. Her message to the female students was very empowering: “Go Go Go, if you are interested in science and technology you have many opportunities and you can find a well-paid job!”

Isabela as the proud winner of the Best Paper Award at ITS Congress 2017
Isabela as the proud winner of the Best Paper Award at ITS Congress 2017

As her highlight Isabela shared a picture from the ITS (Intelligent Transport System) European Congress 2017 in Strasbourg, where she won the Best Technical Paper Award. If you are curious about Isabela’s research you can read the paper here. Considering that around 1000 papers were submitted, this is a remarkable achievement. Congratulations!


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