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Unlearning? Unlearning! – Blogbeitrag IMAGINE

Maximilian hat sich als fti-Reporter bei der IMAGINE16 Konferenz in Innsbruck umgesehen – hier sein Bericht:

Unlearning? Unlearning! Dies beschreibt den Vorgang Wissen gezielt nicht zu nutzen und so den Blick eines Kindes auf Probleme zu entwickeln. Was sich erstmal als wenig innovativ anhört war Leitwort der IMAGINE16, denn nur so konnten kreative, innovative Lösungen für bekannte Probleme gefunden werden. Unter diesen ungewohnten Rahmenbedingungen versammelten sich Experten aus Wirtschaft, Industrie und Forschung, um sich mit zukünftigen Nutzungsmöglichkeiten von IT auseinanderzusetzen.

Künstlerische Timeline
Künstlerische Timeline

Ich war als Reporter vor Ort, um die auf der IMAGINE ausgetauschten festzuhalten. Meine Aufgabe war es, mir zwei Vorträge auszusuchen und darüber zu berichten, doch obwohl ich mich auf zwei Vorträge konzentriert habe, war es schwer die Menge der Ideen und Informationen festzuhalten. Die Imagine war wirklich stimulierend fürs Hirn. Die beiden Vorträge; die ich besucht habe, behandelten die Themen Industrie 4.0 und Quantentechnologie.

Künstlerische Timeline
Künstlerische Timeline

Der Vortrag und das folgende Brainstorming zu Industrie 4.0 hieß „Quo Vadis, Industrie 4.0″. Jene, die sich an die Filmetage ihres Religionsunterrichts erinnert fühlen, wissen es schon: Der in der toten Sprache verfasste Textfetzen bedeutet „Wohin gehst du?”. Es ging also um die Entwicklung und Verbreitung der Industrie 4.0. Wer den Begriff jetzt schnell googlen will, keine Sorge, hier eine kurze Erklärung: Industrie 4.0 ist der Oberbegriff für die Vernetzung von intelligenten Maschinen; um somit schnellere, effizientere und individuellere Fertigungsprozesse bereitzustellen. Beispielsweise ist es Ziel, komplett individualisierte Produkte anbieten zu können. Das wäre zum Beispiel ein Handy mit Kamera, Akku, Display und Farbe je nach Wunsch des Käufers.

Eröffnungsvortrag
Eröffnungsvortrag bmvit/Wiesmüller

Um auf diesem Gebiet Fortschritte zu machen ist eine Pilotfabrik in Planung, welche der österreichischen Industrie die für Industrie 4.0 benötigten Techniken schmackhaft machen soll. Bevor die Teilnehmer in Tischgruppen brainstormen konnten wie diese Pilotfabrik aussehen könnte, gab es einige Vorträge aus Unternehmens- und Forschungsseite. Herr Mühlbacher vom Industriegiganten GE, Werksleiter des Produktionsstandorts Jenbach, präsentierte wie dieser zur „Brilliant Factory” gewandelt wurde durch eine komplette digitale Vernetzung der Fabrik. Dies erzeugte eine Kapazitätsteigerung von zwanzig Prozent.

Herr Mühlbacher
Herr Mühlbacher

Hier begann nun der wirklich spannende Teil, das Brainstorming zur nächsten Pilotfabrik in Tischgruppen. Was sich nach außen hin erst nach spießiger Schulpädagogik anhört, war eine unerschöpfliche Quelle der Kreativität. Es gibt eine immense Anzahl an Möglichkeiten der Produktion, die durch Industrie 4.0 ermöglicht werden und somit auf eine Menge damit verbundener Umsetzungsschwierigkeiten für bestehende Betriebe. Daher waren auch die Möglichkeiten für die Pilotfabrik unendlich. Die Vorschläge reichten von Lehranstalten für die Unternehmer über Ausbildungsstätten für Lehrlinge bis zu Orten der Kommunikation zwischen den Generationen, da die Jüngeren, die „digital natives”, sich ja doch meist besser mit Technik auskennen und so Konzepte für die Arbeitsplätze der Zukunft erarbeiten können.

Brainstroming Pilotfabrik
Brainstroming Pilotfabrik

Auch wenn so kein klarer Plan geschrieben wurde, war es auf jeden Fall deutlich, dass es Möglichkeiten in Hülle und Fülle gibt. Das wohl Wichtigste ist, das Entscheiden für einen Weg sowie das konsequente Gehen des Selbigen. Besonders toll war es, dass alle Ideen bei der Planung beachtet werden und so einige gefundene Punkte in die zu bauende Fabrik miteinfließen werden.

Wichtig war allen Beteiligten, dass die Fabrik Möglichkeiten für kleine wie große Firmen bietet, denn nur so kann die Verbreitung der Industrie 4.0 vorangebracht werden. Das Ergebnis meiner Arbeitsgruppe war, dass die Pilotfabrik vor allem unterhaltsam sein soll und so, mit Hilfe von Emotionen, es schafft einen generationenübergreifenden Austausch zu schaffen durch das Mischen von Managern und Schulklassen, um so den digitalen Arbeitsplatz von morgen zu entwickeln. Dies alles haben wir unter das Motto „We want to entertain you!” gepackt. Das größte Problem war es, die Interessen der Firmen in den verschiedensten Anwendungsgebieten abzudecken, somit wollten wir eher die verschiedenen Möglichkeiten als Anregung präsentieren. Durch zu starke Konzentration auf einige Fachgebiete würden leider zu wenige Firmen angesprochen werden.

Der zweite Vortrag guckte noch weiter in die Zukunft, vorgestellt wurden die Fortschritte der Forschung auf dem Gebiet der Quantenphysik und davon abzuleitende praktische Anwendungen. Nach einer Auffrischung was die Quantenphysik eigentlich ist, eine Theorie zum Beschreiben des Verhaltens kleinster Teile, ging es direkt ans Eingemachte. Die Forschung ist aktuell so weit, dass schon komplexe Quantencomputer möglich sind, im Genaueren sind es Ionenfallen mit bis zu fünfzehn Qbits. Ionenfallen halten Atome im leeren Raum ohne andere Partikel gefangen und machen es somit möglich sie für spezielle Zwecke wie eben Quantencomputing einzusetzen.

Viel interessanter als die Theorie allein finde ich jedoch, was man alles damit anstellen kann, Möglichkeiten sind Kommunikation, Kryptographie, Teleportation, Simulation sowie das schon erwähnte Computing. Die Themen wurden alle kurz angerissen, die Quantenkommunikation im Speziellen wurde jedoch von Herrn Hübel im Detail beschrieben.

Ionenfalle
Ionenfalle

Er beschäftigt sich mit Kryptographie mit Hilfe der Quantentheorie, welche absolut sichere Übertragung von Informationen ermöglicht. Dies liegt daran, dass Quantencomputer durch den quantenmechanischen Zufall im Gegensatz zu normalen Computern echte Zufallgeneratoren sein können und so vollständig zufällige Verschlüsselungen erstellen können. Der zweite wichtige Faktor ist, dass Quanten ihren Zustand ändern sobald sie gemessen werden. Im Falle eines Abhörangriffs würde der Empfänger so Hacking bemerken und die unsichere Verbindung abbrechen. Diese Systeme sind schon nah dran an der Nutzung in Alltag und würden helfen, sensible Daten wie Patientenaktien sicher zu übertragen und zu speichern. Schon seit 2008 gibt es ein Probenetzwerk, das SECOQC in Wien, welches an der Alltagsanwendbarkeit forscht.

Kommen wir zurück zum Spirit der Imagine-Konferenz, Konsens ist: Es gibt viele tolle Ideen und Lösungsansätze. Das Wichtigste ist jedoch, diese nicht nur einfach in den Raum zu werfen, sondern gemeinsam zu tüfteln, nachzudenken, weiterzuentwickeln und dann umzusetzen. Nur so kann IT helfen die Welt wieder mal besser zu machen.

Ende der Konferenz

Ich bin mir sicher ich spreche für alle Teilnehmer wenn ich sage, dass die Imagine es mehr als wert war. Das liegt nicht allein an den besprochenen Ideen, sondern genauso am Spirit der Imagine der hoffentlich von allen mit nach Hause genommen wurde. Das Denken nach vorn, an der „Cutting Edge” des aktuell möglichem und dann noch etwas weiter zu planen und denken sorgte für eine wirklich aufregende Zeit! Ich werde intensiver auf Entwickelungen aus dem IT-Sektor achten und möchte jeden einladen mitzumachen. Wie von Herrn Walzer in der Schlusssitzung beschrieben, leben wir in exponentiellen Zeiten. Die Schritte mit denen Technologie voranschreitet, sind enorm, enorm spannend!

Exponentielle Zeiten
Exponentielle Zeiten

 

 


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