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Wir stellen vor: Platz 2 (Gewinnspiel zur digitalen Zukunft)

Wir gratulieren Mark Wetzlinger zum 2. Preis
Wir gratulieren Mark Wetzlinger zum 2. Preis

Mark Wetzlinger hat uns diese Science-Fiction-Erzählung bei unserem Gewinnspiel: “Deine Erwartungen an die digitale Zukunft” eingereicht und unsere Jury überzeugt: Wir gratulieren zum 2. Platz (Kinogutschein im Wert von € 200,00)!

Wir sind ganz gespannt, wie euch sein Betrag gefällt!

Unsere Beiträge werden 2015 in einer Ausstellung zu sehen sein!

 

Telefonnummernalgorithmus

„Look at the garden project on my blog.“ Gräser wachsen. Hello?!

Du wählst noch einmal die Nummer von deiner Tante. „Konichiwa?“, du hast keine Tante in Japan und du legst auf, legst das Smartphone aus der Hand. Du denkst, du brauchst endlich den Algorithmus, du gießt noch einmal deine Pflanzen. Dann verlässt du die Wohnung. Sitzt in der Schnellbahn, denkst an die Kürbisse in deinem Garten, an deine Tante und daran, dass du letztes Jahr zwei Monate gebraucht hast, um sie zu erreichen. Vorhin ist dir vorgekommen, als sei ihre Stimme heller geworden, nicht mehr so krächzend, irgendwie frisch geölt.

Ein Fahrkartenkontrolleur kommt, sagt zu dir: „Your ticket, please.“, denkst an Kürbissuppe. Der Kontrolleur tippt dir auf die Schulter: „Mensch, können Sie kein Englisch?“ und dann scannt er dich. Die Chips alle upgedated, der Kontrolleur nickt, tippt an seine Mütze, sagt: „Nice day, non-english-speaking guy.“ Nur Chips daheim, in der Küche, im Garten, die Kürbisse, sie rollen, und du fragst dich, wie du die Tante erreichst, jetzt, nur jetzt sind die Kürbisse reif und Kürbissuppe kann nur die Tante kochen. In der Station hörst du aus Lautsprechern Vogelgezwitscher (welche Vögel?).

Dann sitzt du in der Arbeit, vor dem Computer, tust so, als würdest du Daten verwalten, suchst aber im Internet nach den Hackern, wie sie das gemacht haben, alle Telefonnetze hacken, alle Telefonanbieter sprengen, findest nichts, bist dir sicher, ist kein Algorithmus, ist ein Virus, das ständige Ändern der Telefonnummern, kann nicht gewollt sein, auch wenn Telefonieren weltweit jetzt nichts mehr kostet.

Frustriert gehst du auf die Toilette, fürchtest um deine Pflänzlein zuhause; nicht dass sie welken, weil die Sonne fehlt oder das Wasser. Schließt dich in die Toilettenkabine, machst erst einmal das Rauschen an, das klingt wie Wasserfall (welcher Wasserfall?) und dann schreist du in die Muschel: „Hello?!“

„Is this you, son?“

Du ziehst die Spülung. Du weißt: Am Abend wirst du zuhause sitzen, Chips essen mit der einen Hand, mit der anderen Hand klick klick am Computer. Das Gras hat ein scheußlich künstliches Plastikgrün. Du wirst das Smartphone neben dir liegen haben und warten, darfst keinen Anruf verpassen, es könnte ja die Tante sein und du willst ihr doch so viel erzählen und Kürbisse vorbeibringen. Klickst in deinem Garten herum. Die Grafik ist zu gut.

Damenstimme aus dem Smartphone: „Hallo?“ Du fragst: „Kannst du Kürbissuppe kochen?“

 


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