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Forschungspass Etappe 1: Buchrezension von Emilia

Ohne Frauen in der Wissenschaft gäbe es vieles nicht

Emilia hat das Buch „The Madame Curie Complex” von Julie des Jardins gelesen, in dem es darum geht, wie schwierig es für Frauen war bzw. ist, sich als Wissenschaftlerinnen zu behaupten. Wie Emilia das Buch gefallen hat, könnt ihr in dieser Burchrezension nachlesen, die sie als Beitrag für den Forschungspass geschrieben hat:

Julie Des Jardins – „The Madame Curie Complex. The hidden history of women in science” (Erschienen im feminist press Verlag 2010)

Julie des Jardins Buch beginnt mit ihrer eigenen Lebensgeschichte. Als sie ein Kind war, erzählte ihr Vater ihr oft Geschichten von großen Wissenschaftlern, die Großes erreichten, und es waren immer Männer. Julie selbst ist außergewöhnlich gut in Mathematik und ihren KlassenkollegInnen immer einen Schritt voraus. Sie wird älter, beginnt sich für Burschen zu interessieren und lässt ihnen den Vortritt in der Mathematikstunde. Schließlich verliert sie ihr Selbstbewusstsein in den Naturwissenschaften völlig und vermeidet es, jene Kurse zu belegen. Obwohl sie immer noch ausgezeichnet in Biologie ist, redet sie sich ein, nicht gut genug zu sein um es zu studieren. Später vertraut ihr Vater ihr an, dass er denkt alles wäre anders gekommen, wenn sie ein Bub gewesen wäre, so ist sie als Mädchen an den herrschenden Zuständen gescheitert.

Überall steckt Wissenschaft dahinter

Jetzt, als Erwachsene, beschließt sie ein Buch zu schreiben über die Frauen, die es geschafft haben, sich durchzuschlagen und Wissenschaftlerinnen geworden sind, für Frauen deren Errungenschaften ignoriert und klein gemacht worden sind, die nicht als Wissenschaftlerinnen anerkannt wurden. Des Jardins, die jetzt als Historikerin am Baruch College, CUNY, arbeitet und unterrichtet, erwähnt in ihrem Buch bekannte Wissenschaftlerinnen wie Marie Curie und Jane Goodall, aber auch solche, deren Namen uns möglicherweise nichts sagen wie Biruté Galdikas und Lillian Gilbreth.

Das Buch ist in drei Teile gegliedert: „Assistants, Housekeepers, and Interchangeable Parts: Women Scientists and Professionalization, 1880-1940“, „The Cult of Masculinity in the Age of Heroic Science, 1941-1962“, „American Women and Science in Transition, 1962-„. Sie erzählt pro Teil Leben- und Forschungsgeschichten von Wissenschaftlerinnen, die zu der Zeit tätig waren. Besonders spannend ist die Geschichte von den Wissenschafterinnen, die in dem geheimen Großprojekt „The Manhattan Project“ involviert waren. Ein Beispiel ist Elizabeth Rona, eine ungarische Wissenschafterin, die vor den Nazis in die USA flüchtet und über Bekannte Arbeit für das Projekt erledigt, ohne eingeweiht zu werden um was es wirklich geht. Die vielen Frauen, die in dem Projekt involviert waren, bleiben unsichtbar und namenlos. Durch Des Jardins Nachforschungen werden ihre Geschichten aufgedeckt.

Des Jardins Buch ist außergewöhnlich und wichtig. In einem angenehm leserlichen Stil beschreibt sie Leben von Frauen, die um vieles bekannter sein müssten, als sie es heute sind. Von vielen findet man nicht einmal einen Wikipedia Eintrag, obwohl ihre Forschungsergebnisse wichtiges geleistet haben. Vielleicht ist die Tatsache, dass Wikipedia-Artikel zum Großteil von Männern verfasst werden, ein Mitgrund?

Des Jardins Conclusio am Ende des Buches ist realistisch und dennoch ernüchternd. Dass Frauen besser sein müssen, um eine Chance in der Wissenschaftswelt zu bekommen, ist eine Tatsache, und auch, dass Frauen, auch in der Wissenschaft, schwer gegen Vorurteile kämpfen müssen, die bis heute in den Köpfen der Menschen existieren. Es muss sich ändern, denn: „Until then, the scientist conjured in the American mind will be male, and the woman scientist an oxymoron, one who suffers conspiciousness and invisibility at once.”

1 Comment

  • Lieber Simon,

    ohne die Aussagen dieses Buchs – das ich nicht gelesen habe – angreifen zu wollen:

    als alte, durchaus nicht erfolglose Naturwissenschafterin kann ich dazu nur sagen, daß es auch vor rund 50 Jahren für Frauen nicht schwieriger war als für Männer ein naturwissenschaftliches Fach zu studieren. Auch die sogenannten Karrieremöglichkeiten waren für Frauen nicht schlechter. Um allerdings eine vernünftige Position – akademisch oder industriell – zu bekommen und zu behalten, war mehr als ein 9 to 5 Engagement erforderlich – bei Männern wie Frauen. Wer aus familiären Gründen, vielleicht auch aus Bequemlichkeit nicht mithalten wollte oder konnte, blieb auf der Stecke, damals wie heute, Mannderln wie Weiberln.

    Laßt Euch von dem grassierenden PC-Gewäsch nicht verunsichern – nicht Quoten, Leistung ist entscheidend!


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