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Anthropologie: Wirft der Hobbit alles um?

Beim surfen durchs Internet bin ich auf diesen Artikel gestoßen. ich finde ihn sehr interessant und er zeigt uns wie wenig wir eigentlich über unsere Geschichte wissen. Was meint ihr dazu?

Die Zwergmenschen, die vor 18.000 Jahren auf der Insel Flores lebten, stellen die Geschichte der Menschheit infrage.

Wie sind sie nur über das Wasser gekommen, vor 880.000 Jahren auf die indonesische Insel Flores, die auch beim damaligen Meerestiefstand 80 Kilometer von der nächsten Insel entfernt war (heute:300)? Hochseetaugliche Schiffe und nautische Fähigkeiten können sie nicht gehabt haben. Aber andere haben den Weg auch geschafft, viele Tiere, selbst große, Elefanten. Sie waren irgendwo im Norden in das Wasser geraten und trieben mit der Strömung („Indonesien Throughflow“) hinab. Oder war es gar ein „Tsunami“, bei dem eine „kleine Kolonistengruppe auf einem entwurzelten Baum“ die Strecke zurücklegte?

Das ist die jüngste Spekulation von Michael Morwood, University of Wollongong, Australien, er will damit einen ganz anderen Tsunami entfachen: Morwood hat 2003 in der Liang Bua Höhle auf Flores eine Sensation gefunden, Schädel und Skelett einer zwergenhaften Frau, die vor 18.000 Jahren dort lebte: Sie war nur einen Meter groß, ihr Gehirn war klein wie das eines Schimpansen, 400 Kubikzentimeter, wir haben 1200 bis 1400. Deshalb nannte man sie – und Artgenossen, von denen man nur Teile des Skeletts fand, keine Schädel –, scherzhaft „Hobbits“ und ganz im Ernst Homo floresiensis.

Morwood erklärte diesen Menschen zu einem einer eigenen Art (er wäre der zweite nach dem Neandertaler), er fand in der Höhle auch ältere Spuren, 95.000 Jahre, und auf der Insel ganz alte, 880.000 Jahre. Das brachte ihn zu seinem Szenario: Vor 880.000 Jahren sei H.erectus eingewandert und dann verzwergt (solche Effekte gibt es auf Inseln, auch die Elefanten auf Flores wurden Zwerge).

Wer wanderte „Out of Africa“?

Damit löste er eine der härtesten Kontroversen der Anthropologie aus: Manche sehen in dem Schädel einen kranken Angehörigen unserer Art, H.sapiens; die Forschermehrheit schlug sich auf Morwoods Seite. Aber nähere Analysen zeigten, dass H.floresiensis anatomisch nichts mit H.erectus zu tun hat, sein Körper war viel primitiver. (Sein kleines Gehirn allerdings war leistungsfähig genug, ihn Steinwerkzeuge verfertigen zu lassen.) Wenn er aber nicht von H.erectus abstammt, dann bringt er einen Tsunami über die Anthropologenzunft: Bisher geht sie davon aus, dass H.erectus, der sich vor 1,8 Millionen Jahren in Afrika entwickelte, kurz darauf die Erde erwanderte („Out of Africa I“), er war der Erste, der sich auf den Weg machte.

Aber die Ahnen der Hobbits müssen früher losgezogen, sie müssen andere gewesen sein. Australopithecus? Auch dessen Morphologie passt nicht. „,Out of Africa I‘ ist durch unseren Fund erschüttert“, schließt Morwood: „Wir stellen die Hypothese auf, dass die Vorfahren von H.floresiensis vor 1,8 bis 2,6 Millionen Jahren in Afrika lebten.“ Spuren solcher Menschen haben sich bisher allerdings nicht gefunden, nicht in Afrika, nicht auf dem Wanderweg (Journal of Human Evolution, 22.12.).


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